Bisweilen trugen Schilderungen derart das Gepräge der Wahrhaftigkeit, daß Hauberrisser oft stundenlang, begleitet von einem Polizisten, auf den Beinen war, um in fremde Wohnungen einzudringen, von denen man ihm gesagt hatte, Eva hielte sich darin auf.

Hoffen und Enttäuschung warfen ihn hin und her wie einen Spielball.

Bald gab es keine kleine oder große Straße und keinen Platz mehr, in denen er nicht ein oder mehrere Häuser nach Eva, irregeleitet durch Hiobsbotschaften, von oben bis unten durchsucht hatte.

Es war, als räche sich die Stadt an ihm für seine frühere Gleichgültigkeit.

Des Nachts im Traum schrien hundert Gesichter von Menschen auf ihn ein, mit denen er tagsüber gesprochen hatte, und jedes wollte ihm etwas Neues berichten, bis sie in eine einzige molluskenhafte Grimasse verschwammen, als hätte sich ein Stoß durchsichtiger photographischer Porträts aufeinander gehäuft.

Wie Labsal in dieser Zeit der Trostlosigkeit berührte es ihn, daß jeden Morgen in aller Frühe Swammerdam bei ihm erschien. Wenn er auch stets mit leeren Händen kam und, gefragt, ob er über Eva etwas erfahren habe, den Kopf schütteln mußte, so gab doch seine unerschütterlich zuversichtliche Miene Hauberrisser jedesmal neue Kraft, den Wirrnissen des Tages entgegenzusehen.

Das Tagebuch wurde mit keinem Worte mehr erwähnt, und doch fühlte Hauberrisser, daß ihn der alte Schmetterlingssammler hauptsächlich in dieser Angelegenheit besuchte.

Eines Morgens aber konnte sich Swammerdam nicht länger zurückhalten.

„Erraten Sie noch immer nicht,“ fragte er mit abgewandtem Gesicht, „daß eine Rotte fremder Gedanken feindselig auf Sie einstürmt und Ihnen jede Besinnung rauben will? — Wenn es wild gewordene Wespen wären, die ihr Nest gegen Sie verteidigen wollten, wüßten Sie doch sofort, um was es sich handelt! — Warum sind Sie gegenüber den Fliegenschwärmen des Schicksals nicht ebenso auf der Hut, wie Sie es bei wirklichen Wespen wären?“

Dann brach er schnell ab und ging hinaus.