Du hast im Zauberladen der Welt nach neuen Augen begehrt, um die Dinge der Erde in einem neuen Licht zu sehen — erinnere dich: habe ich dir nicht gesagt, du müßtest dir erst die alten Augen aus dem Kopfe weinen, ehe du neue bekommen könntest?
Du hast nach Wissen begehrt: ich habe dir das Tagebuch eines der Meinigen gegeben, der hier in diesem Hause gelebt hat, als sein Körper noch verweslich war.
Eva hat sich nach unvergänglicher Liebe gesehnt: ich habe sie ihr gegeben — und werde sie um ihretwillen auch dir geben. Die vergängliche Liebe ist eine gespenstische Liebe.
Wo ich auf Erden eine Liebe keimen sehe, die über die Liebe zwischen Gespenstern hinauswächst, da halte ich meine Hände wie schirmende Äste über sie zum Schutz gegen den früchtepflückenden Tod, denn ich bin nicht nur das Phantom mit dem grünen Gesicht — ich bin auch Chidher, der Ewig Grünende Baum.“
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Als die Haushälterin, Frau Ohms, am Morgen mit dem Frühstück das Zimmer betrat, sah sie zu ihrem Schrecken die Leiche eines schönen jungen Mädchens im Bette liegen und Hauberrisser kniend davor, die Hand der Toten an sein Gesicht gedrückt.
Sie schickte einen Boten zu seinen Freunden, und als Pfeill und Sephardi kamen und ihn, im Glauben, er sei bewußtlos, aufheben wollten, fuhren sie entsetzt zurück vor dem lächelnden Ausdruck seines Gesichts und dem Glanz in seinen Augen.
Dreizehntes Kapitel
Dr. Sephardi hatte Baron Pfeill und Swammerdam gebeten, in seine Wohnung zu kommen.
Über eine Stunde schon saßen sie im Bibliothekzimmer beisammen.