„Nein, so geht es nicht,“ sagte er sich und sann nach. „Merkwürdig, je reicher man wird an innern Erlebnissen, desto weniger kann man andern davon geben; ich wandere immer weiter weg von den Menschen, bis plötzlich die Stunde da sein wird, wo sie meine Stimme nicht mehr werden hören können.“

Er sah ein, daß er fast schon an dieser Grenze angekommen war. — — — —

Das Tagebuch und die merkwürdigen Umstände, unter denen es in seinen Besitz gelangt war, fielen ihm wieder ein; „ich werde es fortsetzen mit der Beschreibung meines eignen Lebens,“ beschloß er, — „und es dem Schicksal überlassen, was daraus werden soll; Er, der mir gesagt hat, ‚ich bin geblieben, um zu geben: jedem das, wonach er begehrt‘ — soll es in seine Obhut nehmen wie ein Testament von mir und es Menschen in die Hände spielen, für die es heilsam sein kann und die nach dem innern Erwachen dürsten. — Wenn nur ein einziger dadurch zur Unsterblichkeit erweckt wird, hat mein Dasein einen Sinn gehabt.“

Mit der Absicht, die Lehren der Tagebuchrolle durch die Erfahrungen, die er an sich selbst gemacht, zu erhärten, — sie dann in seine ehemalige Wohnung zu tragen und wieder in die Mauernische zu legen, aus der sie ihm in jener Nacht auf’s Gesicht gefallen war, setzte er sich hin und schrieb:

An den Unbekannten, der nach mir kommt!

„Wenn du diese Blätter liest, ist die Hand, die sie geschrieben hat, vielleicht längst schon vermodert.

Ein sicheres Gefühl sagt mir, daß sie dir zu einem Zeitpunkt vor Augen kommen werden, wo sie dir nottun, wie der Anker einem mit zerrissenen Segeln auf Klippen zusteuernden Schiff.

Du wirst in dem Tagebuch, das dem meinigen beigeschlossen ist, eine Lehre niedergelegt finden, die alles enthält, dessen der Mensch bedarf, um wie auf einer Brücke in eine neue Welt voll von Wundern hinüberzuschreiten. —

Ich habe ihm nichts hinzuzufügen als eine Schilderung meines Lebenslaufs und der geistigen Zustände, die ich mit Hilfe der Lehre erklommen habe.

Wenn meine Zeilen auch nur dazu beitragen sollten, dich in der Zuversicht zu bestärken, daß es wirklich und wahrhaftig einen geheimen Weg gibt, der über sterbliches Menschentum hinausführt, so hätten sie damit schon voll und ganz ihren Zweck erfüllt.