Hauberrisser war viel zu gut erzogen, um auch nur mit einem Wimperzucken zu verraten, daß er sich erinnere, wen er vor sich habe; überdies machte es ihm Spaß, die feinere List des Gebildeten der grobdrähtigen des Ungebildeten entgegenzustellen, der immer und überall glaubt, eine Verkleidung sei gelungen, bloß weil der, dem die Täuschung gelten soll, nicht sofort in komödiantenhaft plumpes Gebärdenspiel und Stirnrunzeln verfällt.

Daß der „Professor“ ihm heimlich bis ins Café nachgegangen war und irgendeine balkanesische Halunkerei im Schilde führte, stand für Hauberrisser außer Zweifel; um jedoch ganz sicher zu sein, daß ihm und nicht noch Anderen der Mummenschanz galt, machte er eine Bewegung, als wolle er zahlen und gehen. Sofort malte sich ärgerliche Bestürzung in den Mienen des Herrn Zitter.

Hauberrisser schmunzelte befriedigt in sich hinein; „die Firma Chidher Grün — angenommen, der Herr Professor ist tätiger Teilhaber — scheint ja über die mannigfaltigsten Hilfsmittel zu verfügen, wenn es gilt, ihre Kunden im Auge zu behalten: — duftende Damen mit Pagenfrisur, fliegende Korke, gespenstige alte Juden, prophetische Totenköpfe und weißgekleidete talentlose Spione! Allerhand Hochachtung!“

„Irgendeine Bank gibt es wohl hier in der Nähe nicht, Kellner, in der man ein paar englische Tausendpfundnoten in holländisches Geld umwechseln lassen könnte, wie?“ fragte der Professor nachlässig, aber wieder mit sehr lauter Stimme und tat sehr ärgerlich, als er eine verneinende Antwort bekam. „In Amsterdam ist es scheinbar recht schljecht mit dem Kljeingeld bestellt,“ brach er, halb zu Hauberrisser gewendet, ein Anknüpfungsgespräch vom Zaun. „Schon im Hotel hatte ich Schwjierigkeiten damit.“

Hauberrisser schwieg.

„Ja, hm, recht vjiel Schwjierigkeiten.“

Hauberrisser ließ sich nicht erweichen.

„Zum Glück kannte der Hotelbesitzer meinen Stammsitz. — — — Graf Ciechoñski, wenn ich mich vorstellen darf. Graf Wlodzimierz Ciechoñski.“

Hauberrisser verbeugte sich kaum merklich und murmelte seinen Namen so unverständlich wie nur möglich, der Graf schien jedoch ein ungemein feines Ohr zu haben, denn er sprang freudig erregt auf, eilte zum Tisch, nahm sofort in Pfeill’s leerem Sessel Platz und rief jubelnd: „Hauberrisser? Der berühmte Torpedoingenieur Hauberrisser? Graf Ciechoñski mein Name, Graf Wlodzimierz Ciechoñski, Sie gestatten doch?“

Hauberrisser schüttelte lächelnd den Kopf. „Sie irren, ich war niemals Torpedoingenieur.“ („Ein dummes Luder das“, setzte er innerlich hinzu, „schade, daß er den polnischen Grafen mimt; als Professor Zitter Arpád aus Preßburg wäre er mir lieber gewesen; ich hätte ihn dann im Lauf der Zeit wenigstens über seinen Kompagnon Chidher Grün ausholen können.“)