„Njicht? Schade. Aber das macht nichts. Schon der Name Hauberrisser erweckt in mir, oh, so liebe Erinnerungen“, die Stimme des Grafen zitterte vor Rührung, — „er und der Name Eugène Louis Jean Joseph sind eng mit unserer Familie verknjüpft.“
„Jetzt will er, daß ich frage, wer dieser Louis Eugène Joseph ist. Just nicht,“ dachte sich Hauberrisser und sog stumm an seiner Zigarette.
„Eugène Louis Jean Joseph war nämlich mein Taufpate. Gleich darauf ging er nach Afrika in den Tod.“
„Wahrscheinlich aus Gewissensbissen,“ brummte Hauberrisser in sich hinein. „So, hm, in den Tod, sehr bedauerlich.“
„Ja leider, leider, leider. Eugène Louis Jean Joseph! Er hätte Kaiser von Frankreich sein können.“
„Was hätte er?“ — Hauberrisser glaubte falsch gehört zu haben — „Kaiser von Frankreich hätt’ er sein können?“
„Sicherlich!“ Stolz spielte Zitter Arpád seinen Trumpf aus: „Prinz Eugène Louis Jean Joseph Napoleon IV. Er fiel am 1. Juni 1879 im Kampf gegen die Zulus. Ich besitze sogar eine Locke von ihm“, er zog eine goldene Taschenuhr von Beefsteakgröße und geradezu teuflischer Geschmacklosigkeit hervor, öffnete den Deckel und deutete auf ein Büschel schwarzer Pinselhaare. „Die Uhr ist auch von ihm. Ein Taufgeschenk. Ein Wunderwerk.“ Er erläuterte: „Wenn man hier drückt, schlägt sie Stunden, Minuten und Sekunden und gleichzeitig erscheint auf der Rückseite ein bewegliches Liebespaar. Dieser Knopf löst die Rennzeiger aus; dieser stoppt sie; wenn man ihn weiter hinunterdrückt, erscheint das jeweilige Mondviertel; noch tiefer hinein und das Datum klappt auf. Dieser Hebel nach links, und ein Tropfen Moschusparfüm spritzt hervor, — nach rechts, und es ertönt die Marseillaise. Es ist ein wahrhaft königliches Geschenk. Es existieren im ganzen nur zwei Stück davon.“
„Immerhin ein Trost,“ gab Hauberrisser höflich und doppeldeutig zu. Das Gemisch von bodenloser Frechheit und gänzlicher Unkenntnis weltmännischer Umgangsformen belustigte ihn auf das höchste.
Graf Ciechoñski, ermutigt durch die freundliche Miene des Ingenieurs, wurde immer zutraulicher, erzählte von seinen immensen Gütern in Russisch-Polen, die leider durch den Krieg verwüstet wären, (zum Glück sei er nicht darauf angewiesen, denn durch intime Beziehungen zu amerikanischen Börsenkreisen verdiene er in London mit Spekulationen ein paar tausend Pfund im Monat) — kam auf Pferderennen zu sprechen und bestochene Jockeis, auf Milliardärsbräute, die er zu Dutzenden kenne, auf spottbillige Territorien in Brasilien und im Ural, auf noch unbekannte Petroleumquellen am Schwarzen Meer, auf ungeheuerliche Erfindungen, die er in der Hand hätte, und die eine Million täglich tragen müßten, — auf vergrabene Schätze, deren Besitzer geflohen oder gestorben seien, auf untrügliche Methoden, im Roulette zu gewinnen, — erzählte von riesigen Spionagegeldern, die Japan vertrauenswürdigen Personen auszuzahlen nur so brenne (natürlich müsse man zuerst Depot erlegen), schwätzte von unterirdischen Freudenhäusern in den großen Städten, zu denen nur Eingeweihte Zutritt hätten, ja sogar vom Goldlande Ophir des Königs Salomo, das, wie er ganz sicher aus Papieren seines Taufpaten Eugène Louis Jean Joseph wisse, im Zululande läge, berichtete er bis ins Kleinste genau.
Er war vielseitiger noch als seine Taschenuhr, warf tausend Angelhaken aus, einen plumper als den andern, um seinen Fisch zu ködern; wie ein kurzsichtiger Einbrecher, der Dietrich um Dietrich am Türschloß eines Hauses probiert, ohne das Schlüsselloch zu erwischen, tastete er die Seele Hauberrissers ab, aber es gelang ihm nicht, das Fenster zu finden, durch das er hätte einsteigen können.