Des Herrn Professors hervorstechendste Charaktereigenschaft war Freigebigkeit, und daher ließ er es sich nicht nehmen, Fräulein Antje in das nunmehr geleerte Spielzimmer zu einem gemeinsamen Souper mit seinem Freunde Usibepu zu bitten, dessen Vorliebe für auserlesene Gerichte und ein Getränkegemisch aus denaturiertem Spiritus und salpetersäurehaltigen Essenzen, namens „Mogador“, er genau kannte.
Die Unterhaltung bei Tisch bewegte sich fast ausschließlich in einem Kauderwelsch von Negerenglisch, Kapjargon und Basutodialekt, welche Sprachen die beiden Herren meisterhaft beherrschten; nur die Kellnerin mußte sich zumeist auf Glutblicke, Zungeherausstrecken und sonstige international verständliche Gesten beschränken, um ihren Teil zur Anregung des Gastes beizutragen.
Gesellschaftsmensch durch und durch, verstand es der Professor nicht nur aufs trefflichste, das Gespräch keine Sekunde ins Stocken geraten zu lassen, — er behielt auch sein Hauptziel, dem Zulu das Geheimnis abzuknöpfen, wie man mit bloßen Füßen auf glühenden Steinen wandeln könne, ohne sich zu verbrennen, unentwegt im Auge und ersann tausend Listen, um seinen Zweck zu erreichen.
Der geschickteste Beobachter hätte ihm nicht angesehen, daß ihn nebenbei noch ein Gedanke unablässig quälte, der mit einer vertraulichen Botschaft Antje’s: — der Schuster Klinkherbogk oben unter dem Dach habe nachmittags in der Schenke einen Tausendguldenschein gegen Gold umwechseln lassen, — in enger Beziehung stand.
Unter dem Einfluß des feurigen Mogadors, des leckeren Mahles und der Sirenenkünste der jungen Dame geriet der Zulukaffer bald in einen Zustand wachsender Raserei, der es geraten erscheinen ließ, alle spitzigen oder zerbrechlichen Gegenstände aus dem Zimmer zu entfernen, und vor allem ihn selbst vor der Berührung mit den rauflustigen Matrosen im Gassenlokal, die, Antjes wegen eifersüchtig, nur darauf lauerten, mit ihren Messern über „den Nigger“ herzufallen, fernzuhalten.
Eine listig hingeworfene, hämische Bemerkung des Professors, das Zauberkunststück mit den heißen Steinen sei ein plumper Schwindel, brachte den Zulu schließlich derart außer Rand und Band, daß er alles kurz und klein zu schlagen drohte, wenn man ihm nicht auf der Stelle ein Becken mit glühenden Kohlen reiche.
Zitter Arpád, der nur auf diesen Moment gewartet hatte, ließ den längst bereitstehenden Kübel hereintragen und die glühenden Kohlen auf dem Zementboden des Zimmers ausschütten.
Sofort kauerte sich Usibepu nieder und atmete den erstickenden Dunst mit offenen Nüstern ein. Seine Augen bekamen allmählich einen gläsernen Ausdruck.
Er schien etwas zu sehen, und seine Lippen zuckten wie im Zwiegespräch mit einem Phantom.
Dann sprang er plötzlich auf, stieß einen markerschütternden Schrei aus, — so schrill und furchtbar, daß das Gejohle der Menge in der Gassenschenke jäh verstummte, und sie sich Kopf an Kopf mit totenblassen Gesichtern lautlos an die Tür des Zimmers drängte, um hereinzuspähen.