Silbe für Silbe, Ton für Ton hatte die Stille die Worte und das hämische Gelächter eingeschluckt mit gierigem, gespenstischem Mund. — Sie waren entstanden und verstummt wie das Herüberklingen eines Geschehnisses aus biblischer Vorzeit, das in der Kammer eines armseligen Handwerkers spukhaft wieder auferstand. — — — —
Ein hallender Glockenschlag von der Nicolaskerk dröhnte durchs Zimmer und zerriß mit seinem Vibrieren einen Augenblick den Bann.
„Ich möchte gehen, es greift mich zu sehr an,“ wandte sich Eva flüsternd zu Sephardi und ging zur Tür.
Sie wunderte sich, daß sie die Turmuhr die ganze Zeit über nicht gehört hatte, wo doch erst wenige Stunden vorüber waren, daß es Mitternacht geläutet haben mußte.
„Kann man den alten Mann so ohne Hilfe allein lassen?“ — fragte sie Swammerdam, der die Übrigen stumm zur Eile antrieb, und blickte zu Klinkherbogk hin. „Er scheint noch immer in Trance zu sein? Und auch das Kind schläft.“
„Er wird bald erwachen, wenn wir fort sind,“ beruhigte sie der Schmetterlingssammler, aber durch seine Worte klang ein leiser Unterton verhaltner Angst, — „ich will später nach ihm sehen.“
Man mußte den Neger fast mit Gewalt hinausdrängen, — seine Blicke hingen fiebrig an den Goldmünzen auf der Tischplatte; Eva sah, daß Swammerdam ihn nicht aus den Augen ließ und, als alle die Treppe hinuntergingen, rasch umkehrte, die Dachkammer des Schuhmachers absperrte und den Schlüssel einsteckte. — — —
Mary Faatz war vorausgelaufen, um den Gästen Mäntel und Hüte aus dem Zimmer im vierten Stock zu bringen und dann einen Wagen zu holen.
„Wenn nur der König aus Mohrenland wiederkommt; wir haben ihn ohne Abschied ziehen lassen; oh Gott, warum ist das Fest der Wiedergeburt so traurig verlaufen!“ jammerte Fräulein de Bourignon, als sie mit Swammerdam, der ihnen das Geleite gegeben hatte und wortkarg mit verstörtem Gesicht neben ihnen stand, vor dem Haustor auf die Droschke warteten, die sie in das Béginenstift, Eva in ihr Hotel und Doktor Sephardi nach Hause bringen sollte; — aber das Gespräch stockte bald und wollte nicht wieder in Fluß kommen.
Die Geräusche des Volksfestes in der Warmoesstraat waren erstorben, nur hinter den verhängten Fenstern der Schenke am Zee Dyk spielte noch ein Banjo wilde Tänze.