Unruhig schritt er im Zimmer auf und ab.

„Ich benehme mich wie ein Wahnsinniger,“ legte er sich zurecht; „was geht mich die Sache eigentlich an? Statt in Ruhe dahinzuleben — wie ein Spießbürger,“ ergänzte eine hämische Stimme in seiner Brust, und sofort verwarf er den angefangenen Gedanken. „Hat mir das Schicksal noch nicht genug Lehren gegeben,“ sagte er sich vorwurfsvoll, „daß das Dasein ein himmelschreiender Unsinn ist, wenn man es so lebt, wie die Menschheit es tut? Selbst, wenn ich das Hirnverbrannteste begänne, das sich ausdenken läßt, — immer noch wäre es gescheiter, als zurückzufallen in den Trott des Althergebrachten, dessen letztes Ziel ein zweckloser Tod ist.“

Der Ekel am Dasein meldete sich wieder leise in ihm, und er sah ein, daß ihm nichts mehr blieb, — wollte er sich von dem später oder früher unabwendbaren Selbstmord aus Überdruß retten, — als sich, eine Zeitlang wenigstens, widerstandslos treiben zu lassen, bis ihm das Geschick entweder über die Wende hinweg zu einem dauernd festen Standpunkt verhalf, oder ihm mit ehernen Worten zurief: es gibt nichts neues unter der Sonne, der Zweck des Lebens ist: zu sterben. —

Er nahm die Rolle, trug sie in sein Bücherzimmer und sperrte sie in seinen Schreibtisch.

So argwöhnisch gegenüber der Möglichkeit sonderbarer Geschehnisse war er bereits geworden, daß er das Blatt, auf dem der Name Chidher Grün obenan stand, abtrennte und in seine Brieftasche steckte.

Es geschah nicht aus Aberglauben, sie könne verschwinden, sondern lediglich aus dem Wunsche, das Papier greifbar bei sich zu tragen und nicht auf Erinnerung allein angewiesen zu sein; — es war die instinktive Abwehrstellung eines Menschen, der die verwirrenden Einflüsse des Gedächtnisses vermeiden will und nicht gesonnen ist, auf die Wahrnehmungen durch die äußern Sinne zu verzichten, falls verblüffende Zufälle das gewohnte Bild des Alltags ins Schwanken bringen sollten.

„Der Wagen steht unten,“ meldete die Haushälterin, „und dies Telegramm ist soeben abgegeben worden.“

„Bitte komm zuverlässig heute zum Tee. Größere Gesellschaft, unter andern dein Freund Ciechoñski, leider auch die Rukstinat, Fluch und Enterbung, wenn du mich im Stiche läßt.

Pfeill“

las Hauberrisser und brummte ärgerlich etwas vor sich hin. Er zweifelte keinen Augenblick, daß sich der „polnische Graf“ unverschämterweise auf ihn berufen hatte, um Pfeills Bekanntschaft zu machen.