Es dauerte eine geraume Weile, bis sich das Schiebefenster des Verschlages — diesmal weit weniger geräuschvoll und verkaufslustig als gestern — herabließ, die Büste der Verkäuferin zu enthüllen.

„Womit kann ich dienen, Mynheer?“ fragte die junge Dame auffallend kühl und sichtlich zerstreut.

„Ich möchte gerne Ihren Herrn Chef sprechen.“

„Der Herr Professor ist leider gestern auf unbestimmte Zeit verreist.“ — Die Verkäuferin biß die Lippen schnippisch zusammen und funkelte Hauberrisser katzenhaft an.

„Ich meine nicht den Herrn Professor, Fräulein, seien Sie unbesorgt; — ich hätte nur gern den alten Herrn einen Augenblick gesprochen, den ich gestern drin hinterm Pult habe stehen sehen.“

„Ach so den,“ — das Gesicht der jungen Dame hellte sich auf. — „Das ist ein Herr Pedersen aus Hamburg. Der in den Guckgasten g’schaut hat, net wahr?“

„Nein, ich meine den alten — Israeliten im Bureau. Ich dachte, ihm gehöre das Geschäft.“

„Unser G’schäft? Unser G’schäft hat niemals keinem alten Juden nicht g’hört, mein Herr. — Wir sind eine ausgesprochen christliche Firma.“

„Meinetwegen. Aber den alten Juden, der gestern drin hinterm Pult gestanden hat, möchte ich trotzdem sprechen. Tun Sie mir doch den Gefallen, Fräulein!“

„Mar’ and Joseph,“ beteuerte die junge Dame und verfiel zum Zeichen, daß sie die Wahrheit spräche, in das treuherzigste Wienerisch, das ihr in der Geschwindigkeit zu Gebote stand, „meiner Seel’ und Gott, in unser Bureau darf überhaupt kein Jud nicht, und niemals hat kein solcher nicht drin g’standen. Und gestern natürlich schon gar nicht.“