Daß in den letzten Zeilen des Blattes auf das Gesicht Chidher Grün’s angespielt wurde, erschien ihm sehr wahrscheinlich, und er brannte vor Ungeduld, mehr zu erfahren, — zumal ein paar Worte am Schluß der Seite erraten ließen, daß auf der nächsten ausführlich stehen werde, was man sich unter „magischer Herrschaft über die Gedanken“ vorzustellen habe.
Am liebsten wäre er sogleich nach Hause geeilt, um bis in die Nacht hinein in der Rolle herumzulesen! — aber es mußte bald vier Uhr schlagen, und Pfeill wartete auf ihn. —
Ein Summen in der Luft, das dicht an sein Ohr drang, veranlaßte ihn, sich umzudrehen. Erstaunt stand er auf, als er nicht weit von seiner Bank einen Mann, grau gekleidet, eine Fechtmaske vor dem Gesicht und in der Hand eine lange Stange, stehen sah.
Einige Meter hoch über ihm schwebte in der Luft ein großes, sackartiges Gebilde, das langsam hin- und herschwankte, sich dann mit dem Zipfel an einen Zweig des Baumes heftete und dort baumelnd auf und ab bewegte.
Plötzlich fuhr der Mann mit dem Stock darnach, schien das merkwürdige Gebilde mit der Spitze, oder einem kleinen Netz, das daran befestigt war, erwischt zu haben, klomm befriedigt an der Feuerleiter des Hauses empor, — die Stange geschultert und den ungeheuern Sack sozusagen auf dem Rücken, — und verschwand auf der Plattform des Daches.
„Es ist der Imker des Klosters,“ erklärte eine alte Frau, die hinter einem Ziehbrunnen hervorkam, Hauberrissern, als sie sein verdutztes Gesicht bemerkte; „der Bienenschwarm ist ihm davon geflogen, und er hat die Königin wieder eingefangen.“ —
Hauberrisser ging hinaus, kam nach ein paar Zickzackgassen auf einen freien Platz, nahm ein Automobil und ließ sich nach Hilversum zum Landhaus seines Freundes Pfeill fahren.
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Die breite, schnurgerade Straße war belebt von tausenden Radfahrern; er sauste dahin durch ein Meer von Köpfen und blitzenden Pedalen, — er achtete während der ganzen einstündigen Fahrt nicht darauf. Die Umgebung flog an ihm vorbei. Fest stand nur das Bild vor ihm, das er soeben gesehen hatte: der Mann mit der Maske und der Schwarm Bienen, die sich um ihre Königin drängten, als könnten sie nicht leben ohne sie.
Die stumme Natur, die auf seiner letzten Fahrt ins Freie von ihm Abschied genommen, — heute war sie mit einem neuen Gesicht zu ihm zurückgekehrt, und er fühlte, daß er Worte von ihrem Munde las.