Der Verdacht der Polizei richtete sich sofort auf einen im Hause bediensteten Kommis, den eine Frau gesehen haben will, wie er sich mit einem Schlüssel in der Dunkelheit an der Tür der Dachkammer zu schaffen machte. Er wurde sofort in Haft genommen, aber bereits wieder in Freiheit gesetzt, da sich inzwischen der wirkliche Täter selbst gestellt hat.
Man vermutet, daß der greise Schuhmacher zuerst und hierauf sein Enkelkind, das vermutlich über dem Lärm erwacht war, ermordet worden ist. — Seine Leiche wurde offenbar aus dem Fenster hinab in die Gracht geschleudert. — Ein Abschleppen des Wassers führte bisher zu keinem Resultat, da der Grund an dieser Stelle mehrere Meter tief aus weichem Morast besteht.
Es ist nicht ausgeschlossen, wenn auch wenig wahrscheinlich, daß der Täter den Mord in einem Dämmerzustand begangen haben könnte, wenigstens sind seine Angaben vor dem Kommissär äußerst verworren. — Das Geld geraubt zu haben, gibt er zu. Es handelt sich also um einen Raubmord. Das Geld, man spricht von mehreren tausend Gulden, soll dem Schuster Klinkherbogk von einem stadtbekannten Verschwender geschenkt worden sein. — Eine Warnung, wie übel angebracht derartige Wohltäterlaunen oft sein können.“ — — —
Pfeill ließ das Blatt sinken und nickte traurig vor sich hin.
„Und der Täter?“ fragte Fräulein van Druysen hastig. „Natürlich der grauenhafte Neger?“
„Der Täter?“ — Pfeill schlug die Seite um, „der Täter ist — — — dahier steht’s: Als Täter bekannte sich ein alter russischer Jude, namens Eidotter, der ein Spirituosengeschäft im selben Hause betreibt. Es ist höchste Zeit, daß endlich am Zee Dyk usw., usw.“
„Simon, der Kreuzträger?“ rief Eva erschüttert. „Ich glaube nun und nimmer, daß er ein so scheußliches Verbrechen mit Vorbedacht hat begehen können!“
„Auch nicht in einem Dämmerzustand,“ murmelte Doktor Sephardi.
„Sie meinen also, es war der Kommis Hesekiel?“
„Der ebensowenig. Schlimmstenfalls wollte er mittels eines Nachschlüssels die Dachkammer aufsperren, um das Geld zu stehlen, und wurde im letzten Moment daran verhindert. — Der Neger war der Mörder; es liegt auf der Hand.“