So also sah es in weiblichen Herzen aus? — Sie hatte gefürchtet, „Gabriele“ werde den Schlag nie verwinden können. Statt dessen? — Kopfweh!
„Der Sinn für alles Große ist uns Frauen abhanden gekommen,“ sagte sich Eva voll Bitterkeit, — „wir haben es in den süßlichen Großmutterzeiten hineingehäkelt in verächtliche Handarbeit.“
In mädchenhafter Angst preßte sie den Kopf zwischen ihre Hände. „Soll ich auch einmal so werden? Es ist eine erbärmliche Schmach, ein Weib zu sein.“ —
Gedanken der Zärtlichkeit, wie sie sie die ganze Fahrt hindurch von Hilversum bis in die Stadt umfangen hatten, wollten wieder aufwachen; — das ganze Zimmer schien ihr erfüllt von dem schwülen Duft der blühenden Linden.
Sie riß sich gewaltsam los, setzte sich auf den Balkon und blickte hinauf in den sternenübersäeten nächtlichen Himmel.
Früher, in ihren Kinderjahren hatte es ihr zuweilen einen Trost gewährt, zu denken, dort oben throne ein Schöpfer, der sich ihrer Winzigkeit erbarme, — jetzt drückte es sie wie eine Schande, so klein zu sein.
Sie verabscheute aus dem Grunde ihres Herzens alle Bestrebungen der Frauen, es den Männern auf den Gebieten des äußern Lebens gleich zu tun, aber dem, den sie liebte, nichts anderes schenken zu können als ihre Schönheit, erschien ihr armselig und gering, — als eine Selbstverständlichkeit, von der viel Wesens zu machen, erbärmlich sei.
Die Worte Sephardi’s, es gäbe einen königlichen, verborgenen Pfad, auf dem ein Weib dem Gatten mehr sein könne als bloße irdische Freude, leuchtete ihr wie ein ferner Hoffnungsstrahl, aber wo den Eingang suchen?
Zaghaft und furchtsam nahm sie einen kleinen Anlauf, durch Denken zu erkennen, was sie wohl tun müsse, um einen solchen Weg zu finden, — aber es blieb, wie sie bald fühlte, nur ein vergebliches, schwächliches Betteln um Licht an die Mächte dort oben über den Sternen, statt das kraftvolle Ringen um Erleuchtung zu sein, dessen ein Mann fähig gewesen wäre.
Das zarteste und doch tiefste Leid, das ein junges Frauenherz verzehren kann: mit leeren Händen vor dem Geliebten zu stehen und doch übervoll zu sein von der Sehnsucht, ihm eine Welt an Glück zu geben, machte sie traurig und elend.