Als ob es etwas Herrlicheres geben könnte, als den Boden unter den Füßen zu verlieren!

Die Welt ist dazu da, um von uns kaputt gedacht zu werden, hörte ich einmal meinen Vater sagen, — dann, dann erst fängt das Leben an. — Ich weiß nicht, was er mit dem ‚Leben‘ meinte, aber ich fühle zuweilen, daß ich eines Tages so wie: ‚erwachen‘ werde. Wenn ich mir auch nicht vorstellen kann, in welchen Zustand hinein. Und Wunder müssen dem vorhergehen, denke ich mir immer.

‚Hast du denn schon welche erlebt, daß du fortwährend darauf wartest?‘ fragten mich oft meine Freundinnen, und wenn ich verneinte, wurden sie plötzlich froh und siegesgewiß. Sagen Sie, Herr Pernath, können Sie solche Herzen verstehen? Daß ich doch Wunder erlebt habe, wenn auch nur kleine, — winzig kleine —,“ — Mirjams Augen glänzten, — „wollte ich ihnen nicht verraten, — — — — — —“

Ich hörte, wie Freudentränen ihre Stimme fast erstickten.

„— aber Sie werden mich verstehen: oft, Wochen, ja Monate,“ — Mirjam wurde ganz leise, — „haben wir nur von Wundern gelebt. Wenn gar kein Brot mehr im Hause war, aber auch nicht ein Bissen mehr, dann wußte ich: jetzt ist die Stunde da! — Und dann saß ich hier und wartete und wartete, bis ich vor Herzklopfen kaum mehr atmen konnte. Und — und dann, wenn’s mich plötzlich zog, lief ich hinunter und kreuz und quer durch die Straßen, so rasch ich konnte, um rechtzeitig wieder im Hause zu sein, ehe mein Vater heimkam. Und — und jedesmal fand ich Geld. Einmal mehr, einmal weniger, aber immer soviel, daß ich das Nötigste einkaufen konnte. Oft lag ein Gulden mitten auf der Straße; ich sah ihn von weitem blitzen und die Leute traten darauf, rutschten aus darüber, aber keiner bemerkte ihn. — Das machte mich zuweilen so übermütig, daß ich gar nicht erst ausging, sondern nebenan in der Küche den Boden durchsuchte wie ein Kind, ob nicht Geld oder Brot vom Himmel gefallen sei.“

— Ein Gedanke schoß mir durch den Kopf, und ich mußte aus Freude darüber lächeln. —

Sie sah es.

„Lachen Sie nicht, Herr Pernath,“ flehte sie. „Glauben Sie mir, ich weiß, daß diese Wunder wachsen werden, und daß sie eines Tages —“

Ich beruhigte sie: „Aber ich lache doch nicht, Mirjam! Was denken Sie denn! Ich bin unendlich glücklich, daß Sie nicht sind wie die andern, die hinter jeder Wirkung die gewohnte Ursache suchen und bocken, wenn’s — wir rufen in solchen Fällen: Gott sei Dank! — einmal anders kommt.“

Sie streckte mir die Hand hin: