Seltsam: — Eingestürzt! Vielleicht gerade in der Stunde, wo ich die Körner — — — nein, nein, nicht daran denken; es könnte einen Anstrich von Nüchternheit bekommen, was damals geschehen war, und ich hatte mir vorgenommen, es in meiner Brust begraben sein zu lassen, bis es von selbst wieder erwachte, — nur nicht daran rühren!

Wie lange war’s her, da ging ich noch über die Brücke, sah die steinernen Statuen, — und jetzt lag sie, die Brücke, die Jahrhunderte gestanden, in Trümmern.

Es stimmte mich beinahe wehmütig, daß ich nie mehr meinen Fuß auf sie setzen sollte. Wenn man sie auch wieder aufbaute, war es doch nicht mehr die alte, geheimnisvolle, steinerne Brücke.

Stundenlang hatte ich, während ich an der Gemme schnitt, darüber nachdenken müssen, und so selbstverständlich, als hätte ich es nie vergessen gehabt, war es lebendig in mir geworden: wie oft ich als Kind und auch in späteren Jahren zu dem Bildnis der heiligen Luitgard und all den andern, die jetzt begraben lagen in den tosenden Wassern, aufgeblickt hatte.

Die vielen, kleinen lieben Dinge, die ich in meiner Jugend mein eigen genannt, hatte ich wieder gesehen im Geiste — und meinen Vater und meine Mutter und die Menge Schulkameraden. Nur an das Haus, wo ich gewohnt, konnte ich mich nicht mehr erinnern.

Ich wußte, es würde plötzlich, eines Tages, wenn ich es am wenigsten erwartete, wieder vor mir stehen; und ich freute mich darauf.

Die Empfindung, daß sich mit einem Male alles natürlich und einfach in mir abwickelte, war so behaglich.

Als ich vorgestern das Buch Ibbur aus der Kassette geholt hatte, — es war so gar nichts Erstaunliches daran gewesen, daß es aussah, nun, wie eben ein altes, mit wertvollen Initialen geschmücktes Pergamentbuch aussieht — schien es mir ganz selbstverständlich.

Ich konnte nicht begreifen, daß es jemals gespenstisch auf mich gewirkt hatte!

Es war in hebräischer Sprache geschrieben, vollkommen unverständlich für mich.