Wann wohl der Unbekannte es wieder holen kommen würde?

Die Freude am Leben, die während der Arbeit heimlich in mich eingezogen war, erwachte von neuem in ihrer ganzen erquickenden Frische und verscheuchte die Nachtgedanken, die mich hinterrücks wieder überfallen wollten.

Rasch nahm ich Angelinas Bild — ich hatte die Widmung, die darunter stand, abgeschnitten — und küßte es.

Es war das alles so töricht und widersinnig, aber warum nicht einmal von — Glück träumen, die glitzernde Gegenwart festhalten und sich daran freuen, wie über eine Seifenblase?

Konnte denn nicht vielleicht doch in Erfüllung gehen, was mir da die Sehnsucht meines Herzens vorgaukelte? War es so ganz und gar unmöglich, daß ich über Nacht ein berühmter Mann würde? Ihr ebenbürtig, wenn auch nicht an Herkunft? Zumindest Dr. Savioli ebenbürtig? Ich dachte an die Gemme Mirjams: wenn mir noch andere so gelangen, wie diese, — kein Zweifel, selbst die ersten Künstler aller Zeiten hatten nie etwas Besseres geschaffen.

Und nur ein Zufall angenommen: der Gatte Angelinas stürbe plötzlich?

Mir wurde heiß und kalt: ein winziger Zufall — und meine Hoffnung, die verwegenste Hoffnung, gewann Gestalt. An einem dünnen Faden, der stündlich reißen konnte, hing das Glück, das mir dann in den Schoß fallen müßte.

War mir denn nicht schon tausendfach Wunderbareres geschehen? Dinge, von denen die Menschheit gar nicht ahnte, daß sie überhaupt existierten?

War es kein Wunder, daß binnen weniger Wochen künstlerische Fähigkeiten in mir erwacht waren, die mich jetzt schon weit über den Durchschnitt erhoben?

Und ich stand doch erst am Anfang des Weges!