Es roch nach kommendem Frühling — — —
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Mirjam!
Ich mußte an Mirjam denken. Wie sie sich vor Erregung an der Wand hatte halten müssen, um nicht umzufallen, als sie mir erzählen gekommen, ein Wunder sei geschehen, ein wirkliches Wunder: sie habe ein Goldstück gefunden in dem Brotlaib, den der Bäcker vom Gang aus durchs Gitter ins Küchenfenster gelegt. — — —
Ich griff nach meiner Börse. — Hoffentlich war es heute nicht schon zu spät, und ich kam noch zurecht, ihr wieder einen Dukaten zuzuzaubern!
Täglich hatte sie mich besucht, um mir Gesellschaft zu leisten, wie sie es nannte, dabei aber fast nicht gesprochen, so erfüllt war sie von dem „Wunder“ gewesen. Bis in die tiefsten Tiefen hatte das Erlebnis sie aufgewühlt und, wenn ich mir vorstellte, wie sie manchmal plötzlich ohne äußern Grund — nur unter dem Einfluß ihrer Erinnerung — totenblaß geworden war bis in die Lippen, schwindelte mir bei dem bloßen Gedanken, ich könnte in meiner Blindheit Dinge angerichtet haben, deren Tragweite bis ins Grenzenlose ging.
Und wenn ich mir die letzten, dunkeln Worte Hillels ins Gedächtnis rief und in Zusammenhang damit brachte, überlief es mich eiskalt.
Die Reinheit des Motivs war keine Entschuldigung für mich, — der Zweck heiligt die Mittel nicht, das sah ich ein.
Und was, wenn überdies das Motiv: „helfen zu wollen“ nur scheinbar „rein“ war? Hielt sich nicht vielleicht doch eine heimliche Lüge dahinter verborgen?: der selbstgefällige, unbewußte Wunsch, in der Rolle des Helfers zu schwelgen?
Ich fing an, irre an mir selbst zu werden.