Natürlich war das mit der ‚Schönheit‘ wohl kaum eigene Erfindung von ihm — vermutlich die ‚Verbesserung‘ eines Ratschlages, den ihm ein Gebildeter gegeben hatte.

Daß ihn sein Sohn später verleugnete, wo und wann er nur konnte, nahm er niemals übel. Im Gegenteil, er machte es ihm zur Pflicht: denn seine Liebe war selbstlos und wie ich es schon einmal von meinem Vater sagte: — von der Art, die übers Grab hinausgeht.“

Mirjam schwieg einen Augenblick und ich sah ihr an, wie sie ihre Gedanken stumm weiterspann, hörte es an dem veränderten Klang ihrer Stimme, als sie sagte:

„Seltsame Früchte wachsen auf dem Baume des Judentums.“

„Sagen Sie, Mirjam,“ fragte ich, „haben Sie nie davon gehört, daß Wassertrum eine Wachsfigur in seinem Laden stehen hat? Ich weiß nicht mehr, wer es mir erzählt hat, — es war vielleicht nur ein Traum — —“

„Nein, nein, es ist schon richtig, Herr Pernath: eine lebensgroße Wachsfigur steht in der Ecke, in der er, mitten unter dem tollsten Gerümpel, auf seinem Strohsack schläft. Er hat sie vor Jahren einem Schaubudenbesitzer abgewuchert, heißt es, bloß weil sie einem Mädchen — einer Christin — ähnlich sah, die angeblich einmal seine Geliebte gewesen sein soll.“

„Charouseks Mutter!“ drängte es sich mir auf.

„Ihren Namen wissen Sie nicht, Mirjam?“

Mirjam schüttelte den Kopf. „Wenn Ihnen daran liegt — soll ich mich erkundigen?“

„Ach Gott, nein, Mirjam; es ist mir vollkommen gleichgültig“ (ich sah an ihren blitzenden Augen, daß sie sich in Eifer geredet hatte. Sie durfte nicht wieder zu sich kommen, nahm ich mir vor) „aber was mich viel mehr interessiert, ist das Gebiet, von dem Sie vorhin flüchtig sprachen. Ich meine das vom ‚Tauwind‘. — Ihr Vater würde Ihnen doch gewiß nicht vorschreiben, wen Sie heiraten sollen?“