Sie wurde nervös wie ein Backfisch.

„Können Sie denn nicht eine Minute lang ernsthaft bleiben, Herr Pernath?“ — Ich machte gehorsam ein Lehrergesicht und sie setzte sich wieder. — „Also: wenn ich sage, ich muß doch einmal heiraten, so meine ich damit, daß ich mir zwar bis jetzt den Kopf über die näheren Umstände nicht zerbrochen habe, den Sinn des Lebens aber gewiß nicht verstünde, wenn ich annehmen würde, ich sei als Weib auf die Welt gekommen, um kinderlos zu bleiben.“

Das erste Mal, seit ich sie kannte, sah ich das Frauenhafte in ihren Zügen.

„Es gehört mit zu meinen Träumen,“ fuhr sie leise fort, „mir vorzustellen, daß es ein Endziel ist, wenn zwei Wesen zu einem verschmelzen, — zu dem, was — — haben Sie nie von dem alten ägyptischen Osiriskult gehört? — zu dem verschmelzen, was der ‚Hermaphrodit‘ als Symbol bedeuten mag.“

Ich horchte gespannt auf: „Der Hermaphrodit —?“

„Ich meine: Die magische Vereinigung von männlich und weiblich im Menschengeschlecht zu einem Halbgott. Als Endziel! — Nein, nicht als Endziel, als Beginn eines neuen Weges, der ewig ist — kein Ende hat.“

„Und hoffen Sie, dereinst denjenigen zu finden,“ fragte ich erschüttert, „den Sie suchen? — Kann es nicht sein, daß er in einem fernen Land lebt, vielleicht gar nicht auf Erden ist?“

„Davon weiß ich nichts;“ sagte sie einfach, „ich kann nur warten. Wenn er durch Zeit und Raum von mir getrennt ist, — was ich nicht glaube, weshalb wäre ich dann hier im Ghetto angebunden? — oder durch die Klüfte gegenseitigen Nichterkennens — und ich finde ihn nicht, dann hat mein Leben keinen Zweck gehabt und war das gedankenlose Spiel eines idiotischen Dämons. — Aber, bitte, bitte, reden wir nicht mehr davon,“ flehte sie, „wenn man den Gedanken nur ausspricht, bekommt er schon einen häßlichen, irdischen Beigeschmack, und ich möchte nicht —“

Sie brach plötzlich ab.

„Was möchten Sie nicht, Mirjam?“