Sie hob die Hand. Stand rasch auf und sagte:

„Sie bekommen Besuch, Herr Pernath!“

Seidenkleider raschelten auf dem Gang.

Ungestümes Klopfen. Dann:

Angelina!

Mirjam wollte gehen; ich hielt sie zurück:

„Darf ich vorstellen: die Tochter eines lieben Freundes — Frau Gräfin —“

„Nicht einmal vorfahren kann man mehr. Überall das Pflaster aufgerissen. Wann werden Sie einmal in eine menschenwürdige Gegend siedeln, Meister Pernath? Draußen schmilzt der Schnee und der Himmel jubelt, daß es einem die Brust zersprengt, und Sie hocken hier in Ihrer Tropfsteingrotte wie ein alter Frosch, — — übrigens wissen Sie, daß ich gestern bei meinem Juwelier war und er gesagt hat: Sie sind der größte Künstler, der feinste Gemmenschneider, den es heute gibt, wenn nicht einer der größten, die je gelebt haben?!“ — Angelina plauderte wie ein Wasserfall, und ich war verzaubert. Sah nur mehr ihre strahlenden, blauen Augen, die kleinen Füße in den winzigen Lackstiefeln, sah das kapriziöse Gesicht aus dem Wust von Pelzwerk leuchten und die rosigen Ohrläppchen.

Sie ließ sich kaum Zeit auszuatmen.

„An der Ecke steht mein Wagen. Ich hatte schon Angst, Sie nicht zu Hause zu treffen. Sie haben doch hoffentlich noch nicht zu Mittag gegessen? Wir fahren zuerst — ja, wohin fahren wir zuerst? Wir fahren zuerst einmal — warten Sie — — ja: vielleicht in den Baumgarten, oder kurz: irgendwohin ins Freie, wo man so recht das Keimen und heimliche Sprossen in der Luft ahnt. Kommen Sie, kommen Sie, nehmen Sie Ihren Hut; und dann essen Sie bei mir, — und dann schwätzen wir bis abends. Nehmen Sie doch Ihren Hut! Worauf warten Sie denn? — Eine warme, ganz weiche Decke ist unten: da wickeln wir uns ein bis an die Ohren und kuscheln uns zusammen, bis uns siedheiß wird.“