Vrieslander und Prokop waren ernst geworden und jeder von uns hielt eine Antwort für überflüssig.
„Was meinen Sie, Eulalia?“ wiederholte Zwakh, zurückgewendet, „ist nicht das Übersinnliche das Reizvollste?“
Die alte Kellnerin kratzte sich mit der Stricknadel am Kopf, seufzte, errötete und sagte:
„Aber gähn’ Sie! Sie sind mir ein Schlimmer.“
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„Eine verdammt gespannte Luft war heute den ganzen Tag über,“ fing Vrieslander an, nachdem sich unser Heiterkeitsausbruch gelegt hatte, „nicht einen Pinselstrich hab’ ich fertiggebracht. Fortwährend hab’ ich an die Rosina denken müssen, wie sie im Frack getanzt hat.“
„Ist sie wieder aufgefunden worden?“ fragte ich.
„‚Aufgefunden‘ ist gut. Die Sittenpolizei hat sie doch für ein längeres Engagement gewonnen! — Vielleicht ist sie dem Herrn Kommissär — damals ‚beim Loisitschek‘, ins Auge gestochen? Jedenfalls ist sie jetzt — fieberhaft tätig und trägt wesentlich zur Hebung des Fremdenverkehrs in der Judenstadt bei. Ein verflucht dralles Mensch ist sie übrigens geworden in der kurzen Zeit.“
„Wenn man bedenkt, was ein Weib aus einem Mann machen kann bloß dadurch, daß sie ihn verliebt sein läßt in sich: es ist zum Staunen,“ warf Zwakh hin. „Um das Geld aufzubringen, zu ihr gehen zu können, ist der arme Bursche, der Jaromir, über Nacht Künstler geworden. Er geht in den Wirtshäusern herum und schneidet Silhouetten für Gäste aus, die sich auf diese Art porträtieren lassen.“
Prokop, der den Schluß überhört hatte, schmatzte mit den Lippen: