„Da kennen Sie das schleichende Gift der Suggestion nicht,“ unterbrach mich Charousek ernst. „Hätte ich in alltäglichen Worten geredet, würden Sie vielleicht recht behalten, aber auch den kleinsten Tonfall habe ich vorher berechnet. Nur das widerlichste Pathos wirkt auf solche Hundsfötter! Glauben Sie mir! Sein Mienenspiel bei jedem meiner Sätze hätte ich Ihnen hinzeichnen können. — Kein ‚Kitsch‘, wie es die Maler nennen, ist niederträchtig genug, als daß er nicht der bis ins Mark verlogenen Menge Tränen entlockte — sie ins Herz trifft! Glauben Sie denn, man hätte nicht längst sämtliche Theater mit Feuer und Schwert ausgetilgt, wenn es anders wäre? An der Sentimentalität erkennt man die Kanaille. Tausende armer Teufel können verhungern, da wird nicht geweint, aber wenn ein Schminkkamel auf der Bühne, als Bauerntrampel verkleidet, die Augen verdreht, dann heulen sie wie die Schloßhunde. — — Wenn Väterchen Wassertrum vielleicht auch morgen vergessen hat, was ihm soeben noch — Herzjauche kostete: jedes meiner Worte wird wieder in ihm lebendig werden, wenn die Stunden reifen, wo er sich selbst unendlich bedauernswert vorkommt. — In solchen Momenten des großen Misereres bedarf es bloß eines leisen Anstoßes, — und für den werde ich sorgen — und selbst die feigste Pfote greift nach dem Gift. Es muß nur zur Hand sein! Theodorchen hätte wahrscheinlich auch nicht zugegrapst, wenn ich’s ihm nicht so bequem gemacht hätte.“

„Charousek, Sie sind ein furchtbarer Mensch,“ rief ich entsetzt. „Empfinden Sie denn gar kein — — —“

Er hielt mir schnell den Mund zu und drängte mich in eine Mauernische!

„Still! Da ist er!“

Mit taumelnden Schritten, sich an der Wand stützend, kam Wassertrum die Stiege herunter und wankte an uns vorüber.

Charousek schüttelte mir flüchtig die Hand und schlich ihm nach. — —

Als ich in mein Zimmer zurückgekehrt war, sah ich, daß die Rose und das Fläschchen verschwunden waren und an ihrer Stelle die goldene, zerbeulte Uhr des Trödlers auf dem Tisch lag.

— — — — — — — — — — — — — —

— — — — — — — — — — — — — —

‚Acht Tage müsse ich warten, ehe ich mein Geld bekommen könne; es sei das die übliche Kündigungsfrist‘, hatte man mir auf der Bank gesagt.