Wenn ich nur Charousek benachrichtigen könnte, daß er Savioli wenigstens rechtzeitig warnen ging!

Einen Augenblick klammerte ich mich an die Hoffnung, meine Verhaftung müsse bereits wie ein Lauffeuer in der Judenstadt bekannt geworden sein, und ich vertraute auf Charousek wie auf einen rettenden Engel. Gegen seine infernalische Schlauheit kam der Trödler nicht auf; „Ich werde ihn genau in der Stunde an der Gurgel haben, in der er Dr. Savioli an den Hals will,“ hatte Charousek schon einmal gesagt.

In der nächsten Minute wieder verwarf ich alles und eine wilde Angst packte mich: Wie, wenn Charousek zu spät kam?

Dann war Angelina verloren. — — —

Ich biß mir die Lippen blutig und zerkrallte mir die Brust aus Reue, daß ich die Briefe damals nicht sofort verbrannt hatte; — — — ich schwor es mir zu, Wassertrum noch in derselben Stunde aus der Welt zu schaffen, wo ich wieder auf freiem Fuß sein würde.

Ob ich von eigner Hand starb oder am Galgen — was lag mir daran!

Daß der Untersuchungsrichter meinen Worten glauben würde, wenn ich ihm die Geschichte mit der Uhr plausibel machte, ihm von Wassertrums Drohungen erzählte, — keinen Augenblick zweifelte ich daran.

Bestimmt morgen schon mußte ich frei sein; zumindest würde das Gericht auch Wassertrum wegen Mordverdacht verhaften lassen.

Ich zählte die Stunden und betete, daß sie rascher vergehen möchten; starrte hinaus in den schwärzlichen Dunst.

Nach unsäglich langer Zeit fing es endlich an, heller zu werden, und zuerst wie ein dunkler Fleck, dann immer deutlicher, tauchte ein kupfernes, riesiges Gesicht aus dem Nebel: das Zifferblatt einer alten Turmuhr. Doch die Zeiger fehlten; — neuerliche Qual.