„Dazu ist jetz keine Zeit nicht,“ unterbrach mich der schöne Wenzel ungeduldig. „Ich kann ich doch im näxen Augenblick herausgeschmissen werden. — Also: ich bin ich hier, weil ich einen Raubanfall extra eingestanden hab — —“
„Was, Sie haben bloß meinetwegen, und um zu mir kommen zu können, einen Raubanfall begangen, Wenzel?“ fragte ich erschüttert.
Der Schlot schüttelte verächtlich den Kopf: „Wann ich wirklich einen Raubanfall begangen hätt, mecht ich ihm doch nicht eingestähen. Was glauben Sie von mir!?“
Ich verstand allmählich: — der brave Kerl hatte eine List gebraucht, um mir den Brief Charouseks ins Gefängnis zu schmuggeln.
„So; zuverderscht“ — er machte ein äußerst wichtiges Gesicht — „muß ich Ihnen Unterricht in der Ebilebsie gäben.“
„Worin?“
„In der Ebilebsie! — Gäbm S’ amal scharf Obacht und merkens Ihna alles genau! — Alsdann schaugens här: Zuerscht macht me Speichel in der Goschen;“ — er blies die Backen auf und bewegte sie hin und her, wie jemand, der sich den Mund ausspült — „dann kriegt me Schaum vorm Maul, sengen S’ so“: — er machte auch dies. Mit widerwärtiger Natürlichkeit. — „Nachhe drehte ma die Daumen in die Faust. — Nachhe kugelt me die Augen raus“ — er schielte entsetzlich — „und dann — das ise sich bisl schwär — stoßt me so halbeten Schrei aus. Segen S’, so: Bö — bö — bö, — und gleichzeitig fallt me sich um.“ — Er ließ sich der Länge nach zu Boden fallen, daß das Haus zitterte, und sagte beim Aufstehen:
„Das ise sich die natierliche Ebilebsie, wie’s uns der Dr. Hulbert gottsälig beim ‚Bataljohn‘ gelernt hat.“
„Ja, ja, es ist täuschend ähnlich,“ gab ich zu, „aber wozu dient das alles?“
„Weil Sie sich zuerscht aus der Zellen rausmissen!“, erklärte der schöne Wenzel. „Der Dr. Rosenblatt is doch ein Mordsochs! Wenn einer schon gar kan Kopf mehr hat, sagt der Rosenblatt immer noch: der Mann ise sich pumperlgesund! — Nur vor die Ebilebsie hat e’ an Viechsräschpäkt. Wann aner daas gut kann: gleich ise drieben in der Krankenzelle. — — Und da ise sich das Ausbrechen dann ein Kinderspielzeug;“ — er wurde tief geheimnisvoll — „den Fenstergitter in der Krankenzelle ise nämlich durchgesägt und nur schwach mit Dreck zusammenpappt. — Es ise sich das ein Geheimnis vom Bataljohn! — Sie brauchen dann bloß ein paar Nächte scharf aufpassen und, wenn Sie eine Seilschlingen vom Dach herunter bis vors Fenster kommen segen, heben Sie leise den Gitter aus, damit niemand nicht aufwacht, steckens die Schultern in die Schlinge, und mir ziegen Ihnen hinauf aufs Dach und lassen Ihnen auf der andern Seiten hinunter auf die Straßen. — Pasta.“