„Nein, es war bestimmt ein ‚A‘.“
Ich schüttelte den Kopf und fing an zu zweifeln. Offenbar hatte Laponder im Halbschlaf in meinem Vorstellungsinhalt gelesen und alles wirr durcheinander gebracht: Hillel, Mirjam, den Golem, das Buch Ibbur und den unterirdischen Gang.
„Haben Sie die Gabe zu ‚wandern‘, wie Sie es nennen, schon lang?“, fragte ich.
„Seit meinem 21. Jahr — — —“, er stockte, schien nicht gern davon zu reden; da nahm seine Miene plötzlich den Ausdruck grenzenlosen Erstaunens an, und er starrte auf meine Brust, als ob er dort etwas sähe.
Ohne auf meine Verwunderung zu achten, ergriff er hastig meine Hand und bat — fast flehentlich:
„Um Himmelswillen, sagen Sie mir alles. Es ist heute der letzte Tag, den ich bei Ihnen verbringen darf. Vielleicht schon in einer Stunde werde ich abgeholt, um mein Todesurteil anzuhören — —.“
Ich unterbrach ihn entsetzt:
„Dann müssen Sie mich mitnehmen als Zeugen! Ich werde beschwören, daß Sie krank sind. — Sie sind mondsüchtig. Es darf nicht sein, daß man Sie hinrichtet, ohne Ihren Geisteszustand untersucht zu haben. So nehmen Sie doch Vernunft an!“
Er wehrte nervös ab: „Das ist doch so nebensächlich, — bitte, sagen Sie mir alles!“
„Aber was soll ich Ihnen denn sagen? — Reden wir doch lieber von Ihnen und — —“