Meine eigenen Erlebnisse, die sich darauf bezogen, hatten im Gefängnis die Blässe eines längst verwehten Traumbildes angenommen und ich sah in ihnen nur noch Symbole ohne Blut und Leben, — strich sie aus dem Buch meiner Erinnerungen.
Die Worte Laponders, die ich zuweilen so klar in mir hörte, als säße er mir gegenüber wie damals in der Zelle und spräche zu mir, bestärkten mich darin, daß ich rein innerlich geschaut haben müsse, was mir ehedem greifbare Wirklichkeit geschienen.
War denn nicht alles vergangen und verschwunden, was ich einst besessen hatte? Das Buch Ibbur, das phantastische Tarokspiel, Angelina und sogar meine alten Freunde Zwakh, Vrieslander und Prokop!
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Es war Weihnachtsabend, und ich hatte mir einen kleinen Baum mit roten Kerzen nach Hause gebracht. Ich wollte noch einmal jung sein und Lichterglanz um mich haben und den Duft von Tannennadeln und brennendem Wachs.
Ehe das Jahr zu Ende ging, war ich vielleicht schon unterwegs und suchte in Städten und Dörfern, oder wohin es mich innerlich ziehen würde, nach Hillel und Mirjam.
Alle Ungeduld, alles Warten war allmählich von mir gewichen und alle Furcht, Mirjam könne ermordet worden sein, und mit dem Herzen wußte ich, ich würde sie beide finden.
Es war ein beständiges glückliches Lächeln in mir, und wenn ich meine Hand auf etwas legte, kam mir’s vor, als ginge ein Heilen von ihr aus. Die Zufriedenheit eines Menschen, der nach langer Wanderung heimkehrt und die Türme seiner Vaterstadt von weitem blinken sieht, erfüllte mich auf ganz sonderbare Weise.
Einmal war ich noch in dem kleinen Kaffeehaus gewesen, um Jaromir zum Weihnachtsabend zu mir zu holen. — Er habe sich nie mehr blicken lassen, erfuhr ich, und schon wollte ich betrübt wieder gehen, da kam ein alter Tabulettkrämer herein und bot kleine, wertlose Antiquitäten zum Kauf an.
Ich kramte in seinem Kasten unter all den Uhranhängseln, kleinen Kruzifixen, Kammnadeln und Broschen herum, da fiel mir ein Herz aus rotem Stein an einem verschossenen Seidenbande in die Hand und ich erkannte es voll Erstaunen als das Andenken, das mir Angelina, als sie noch ein kleines Mädchen gewesen, einst beim Springbrunnen in ihrem Schloß geschenkt hatte.