Wie ich die unzähligen Granitstufen emporstieg zum Hradschin, jede so breit, wie wohl vier Menschenleiber lang sind, versank Schritt um Schritt die Stadt mit ihren Dächern und Giebeln vor meinem Sinn.
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Schon schlich die Dämmerung die Häuserreihen entlang, da trat ich auf den einsamen Platz, aus dessen Mitte der Dom aufragt zum Thron der Engel.
Fußtapfen — die Ränder mit Krusten aus Eis — führten hin zum Nebentor.
Von irgendwo aus einer fernen Wohnung klangen leise, verlorene Töne eines Harmoniums in die Abendstille hinaus. Wie Tränentropfen der Schwermut fielen sie in die Verlassenheit.
Ich hörte hinter mir das Seufzen des Schlagpolsters, wie die Kirchentüre mich aufnahm, dann stand ich im Dunkel, und der goldene Altar blinkte in starrer Ruhe herüber zu mir durch den grünen und blauen Schimmer sterbenden Lichtes, das durch die farbigen Fenster auf die Betstühle niedersank. Funken sprühten aus roten, gläsernen Ampeln.
Welker Duft von Wachs und Weihrauch.
Ich lehne mich in eine Bank. Mein Blut wird seltsam still in diesem Reich der Regungslosigkeit.
Ein Leben ohne Herzschlag erfüllte den Raum — ein heimliches, geduldiges Warten.
Die silbernen Reliquienschreine lagen im ewigen Schlaf.