„Hierorts eingelaufenes Gesuch des Privaten G. M. um mietweise Überlassung der Schanzengänge auf dem Wyschehrad behufs Einrichtung von Pilzkultur wird unter Hinweis auf die kriegsoberstliche Entscheidung vom 31. Februar 1712, daß zurzeit Privatpersonen keinerlei Zugang zu den k. k. Festungswällen zu gewähren ist, und insbesondere unter Beachtung, daß deren Anlage strategischer Geheimhaltung untersteht, sowie angesichts der damit verbundenen Mauerschwammgefährdung abschlägig beschieden.
Das k. k. Korpskommando.“
Also wieder keine Grotte!!
Wutschnaubend verfaßte ich auf der Stelle einen Protest an das Kriegsministerium in Wien, die unter fächerförmigem Entfalten sämtlicher zehn Finger vorgebrachten Warnungen Taubingers: „Nor mit de Balmachomes keinen Streit anfangen; sie sind doch unsere Hauptlieferanten!“ mißachtend.
Wochenlanges Telephongeklingel mit darauffolgenden Drohungen, da und dort stünden die Düngerwagen bereit, mir den erworbenen Betriebsstoff in die Wohnung zu bringen, wenn ich nicht sofort anders verfügte, warfen mich schließlich aufs Krankenlager.
Nur Taubinger, der eines Morgens melden kam, es sei ihm nach unsäglicher Mühe gelungen, in der Vorstadt ein leeres Haus zu mieten, in dessen Keller nunmehr heimlich und nächtlicherweile der Mist abgeladen würde, habe ich es zu verdanken, daß das Fieberthermometer endlich sank.
Den Tag meiner Genesung feierte ich jedoch erst, als Bonifazius Felbermeier, ein mir von der Gärtnerinnung als hervorragender Champignonzüchter warm empfohlener Schlot und Fachmann, mit Eilzug aus Wien herbeigeeilt, mein Zimmer betrat und mir alle Qual vom Herzen nahm, indem er beteuerte: „Dös lassen S’ alles mich mochen, gnä Herr! — Werden S’ segen, gnä Herr“ — und wie zum Schwur erhob er seine Palmenblatthände — „wann s’ erst sechs Wochen gärt hat, dö Schwammbrut — ‚Mühzählium‘ heißen mir’s in die entern Gründ’ — nachher, Herrschaft, i’ kenn dös, da wurrln’s a so außer wia dö Soldaten.“
Voll neuer Zuversicht atmete ich auf.
Ja! Das Proletariat! Es ist eben immer unsere — Rettung! Der Mann, der da vor mir stand — verriet nicht schon sein Äußeres, daß es für ihn keine Champignonfragen, sondern nur Champignonlösungen geben mußte? — Die gelben Augen, die niedrige Stirn, das hutkrempenartig geschnittene Haar, überhaupt der ganze Höhlenmenschentypus: kann die Natur noch deutlicher sprechen? Nein, das Gesetz der Mimikry lügt nicht! Der da steht, ist mehr als ein sterblicher Mensch: er ist die Personalunion mit dem Gotte der Champignons! —
Er war sogar viel mehr, sage ich mir heute: er war ein klassenbewußter Proletarier! Was schon daraus hervorging, daß er fast keinen Tag verstreichen ließ, ohne sich nicht einen Lohnvorschuß auszahlen zu lassen oder mir eine Rechnung über allerlei angeschaffte phantastische Gerätschaften zu präsentieren.