„Lukawsky war eben beim Präsidenten!“ ruft ein Gefangener den Sträflingen durch sein Kerkerfenster halblaut zu. — Der Trupp marschiert weiter. — „Was ist’s mit ihm?“ fragt ein Neuling seinen Nebenmann.
„Lukawsky, der Mörder, ist zum Tode verurteilt durch den Strang, und heute, glaub’ ich, soll sich’s entscheiden, ob das Urteil bestätigt wird oder nicht. Der Präsident hat ihm die Bestätigung des Urteils auf dem Amtszimmer verlesen. — Der Lukawsky hat kein Wort gesagt, nur getaumelt hat er. — Aber draußen hat er mit den Zähnen geknirscht und einen Wutanfall bekommen. — Die Aufseher haben ihm die Zwangsjacke angelegt und ihn mit Gurten auf die Bank geschnallt, daß er kein Glied rühren kann bis morgen früh. — Und ein Kruzifix haben sie ihm hingestellt.“ — Bruchstückweise hatte der Gefangene den Vorbeimarschierenden dies zugerufen. —
„Auf Zelle Nr. 25 liegt er, der Lukawsky“, sagt einer der ältesten Sträflinge. — Alle blicken zum Gitterfenster Nr. 25 hinauf. —
Der Aufseher lehnt gedankenlos am Tor und stößt mit dem Fuß ein Stück altes Brot beiseite, das im Wege liegt. —
In den schmalen Gängen des alten Landgerichts liegen die Kerkertüren dicht nebeneinander. — Niedrige Eichentüren, in das Mauerwerk eingelassen, mit Eisenbändern und mächtigen Riegeln und Schlössern. — Jede Tür hat einen vergitterten Ausschnitt, kaum eine Spanne im Geviert. Durch diese ist die Neuigkeit gedrungen und läuft längs der Fenstergitter von Mund zu Mund: „Morgen wird er gehenkt!“ —
Es ist still auf den Gängen und im ganzen Hause, und doch herrscht ein feines Geräusch. Leise, unhörbar. Nur zu fühlen. — Durch die Mauern dringt es und spielt in der Luft wie Mückenschwärme. — Das ist das Leben, das gebundene, gefangene Leben!
Mitten im Haupteingang, dort, wo er weiter wird, steht eine alte leere Truhe ganz im Dunkeln.
Lautlos, langsam hebt sich der Deckel. — Da fährt es wie Todesfurcht durchs ganze Haus. — Den Gefangenen bleibt das Wort im Munde stecken. — Auf den Gängen kein Laut mehr, — daß man das Schlagen des Herzens hört und das Klingen im Ohr. —
Die Bäume und Sträucher auf dem Hofe rühren kein Blatt und greifen mit herbstlichen Ästen in die trübe Luft. — Es ist, wie wenn sie noch dunkler geworden wären. —
Der Trupp Sträflinge ist stehen geblieben wie auf einen Wink: Hat nicht jemand geschrien? —