Ich sah meinen Besieger forschend an: seltsam, wie treuherzig er heute aus runden Kinderaugen in den brühwarmen Sonnendampf hineinblickte! — Was für eine merkwürdige Wandlung war in ihm vorgegangen?
„Ich heiß nämlich von jetz an Kunz Peter Taubinger“, vertraute er mir lächelnd an, als habe er meine Gedanken gelesen.
„Doch nicht etwa meinetwegen?“ fragte ich bestürzt.
„Wie mer’s nimmt“, gab er kopfwiegend zu, und wieder rundeten sich seine Augen. Ich spürte förmlich, wie seine Seele sich — allerdings vergebens — abmühte, ihnen die dazugehörige arisch-himmlische Bläue zu verleihen. — „Wie mer’s nimmt. — Ich hab’ mer nämlich vorgenommen, von heite ab nur mehr mit die bessern Kreise zu verkehren. — Iebrigens: ich mach jetz in Schampiohns.“
„Worein?“ forschte ich.
Ohne weiter ein Wort zu verlieren, schleifte er mich in das nächste Kaffeehaus und machte mir mit einer Eindringlichkeit, die mir außer den übrigen Rockknöpfen zwei Stunden Zeit kostete, den keine Widerrede duldenden Vorschlag, mich mit ihm behufs Gründung einer Champignonzucht zu assoziieren.
Die Vorteile leuchteten mir ohne weiteres ein — wurden doch, wie in einer Broschüre stand, die er mir wies, jährlich in Paris über fünf Millionen an Champignons verdient.
Auch die plötzliche Sinnesänderung Taubingers, was die Deutung des Satzes vom Geldverdienen betraf, schien mir nicht weiter wunderbar; wußte ich doch vom Gymnasium her, daß weiland der griechische Seher Teiresias sich über Nacht aus einem Weibe in einen Mann verwandelt hatte. Warum sollte sich da ein Agent nicht aus einem Pessimisten in einen Optimisten verwandeln?
„Roßmist!“ unterbrach Taubinger meine Reflexionen und deutete ringbefingert durch die Spiegelscheibe auf mehrere runde, spatzenumworbene Gegenstände auf den Pflastersteinen, — „mer braucht sich nur danach zu bücken. — Roßmist ist alles!“
„Reif sein ist alles!“ verbesserte ich unwillkürlich, das bekannte Zitat gebrauchend, denn ich hatte Herrn Taubingers sprunghaften Gedankengängen nicht ganz zu folgen vermocht und erfuhr überdies erst im Laufe der kommenden Geschäftsverbindung, daß der Champignon die tadelnswerte Eigentümlichkeit besitzt, sich auf mangelhafte Beschaffenheit des Pferdedüngers auszureden, wenn er nicht wachsen will.