„Jenne Äppel brauchen nix reif zu sein!“ belehrte mich Taubinger, das Mißverständnis dadurch ins Uferlose erweiternd.
Das Studium des wissenschaftlichen Elaborates, das er mir sodann mit geheimnisvoller Miene aushändigte — plötzlich finster werdend, als er bemerkte, daß ich keinen Knopf mehr zum Abdrehen besaß —, verfolgte mich in selbiger Nacht bis tief in den Schlaf hinein.
Oh, hätte ich damals doch der holden Traumgöttin ein williges Ohr geliehen!
Falstaff behauptet, Träume kämen aus dem Bauche; mag sein, daß dies bei ihm zutraf, — bei mir kamen sie damals aus der verfluchten Broschüre, die die Rentabilität der Champignonzucht in überschwenglichen Tönen pries, — das weiß ich bestimmt. Von Grotten war darin die Rede, in denen zu sprießen — wie einstens des gottseligen Barbarossas Bart — die Champignons versprächen, wenn man nur gewissenhaft darauf achte, daß das Wärmemaß den 34. Grad Réaumurs nicht überschreite und genügend Lüftung vorhanden sei.
Ich wanderte im Traum durch unterirdische dämmerige Gefilde, oft bis zum Knie einsinkend in rätselhaft weiche Massen — vermutlich mein Plumeau —, sah mich selbst, als sei ich der leibhaftige Tod, eine Sense schwingend nach den Scharen bleicher Pilzköpfe, die sich aber leider jedesmal, wenn mein Hieb sie treffen und in Goldstücke verwandeln wollte, mißgünstig duckten und meiner Mordgier entzogen.
Immer weiter und weiter ausholend, schwang ich den mähenden Arm, und wer weiß, vielleicht hätte ich doch noch glücklich die Stunde verschlafen, wo Kunz Peter Taubinger meiner in einer Advokatenkanzlei behufs gemeinsamer Besiegelung des Gesellschaftsvertrages harrte, wäre nicht mein Traum jählings dadurch unterbrochen worden, daß ich mit wild fuchtelnder Faust meine arglos über dem Bette hängende Geliebte mitten auf den Bauch traf, das schirmende Glas in sternförmige Splitterstrahlen verwandelnd.
Eine Stunde später hatte ich mit ähnlichem Schwung den Kontrakt unterschrieben, der mich berechtigte, monatlich die Hälfte des zu erwartenden Riesengewinnes mittels Panzerautos abholen zu lassen, während meine Pflichten — abgesehen von der Einzahlung des Betriebskapitals — auf umfassende Tatenlosigkeit beschränkt waren.
Da Herr Taubinger, mein nunmehriger Kompagnon, jedoch miserabel vom Start ging, d. h. deutlicher gesagt: da er, was den Beginn der geschäftlichen Tätigkeit betraf, in eine seltsame Art Totenstarre verfiel, die er nur jeden Freitag unterbrach, um sich von mir einen Gewinnvorschuß geben zu lassen, so beschloß ich, das Rennen nach dem Mammon selbst zu leiten.
Die Folgen wurden bald sichtbar: „Waas? Ä Grotte suchen Sie?“ war jedesmal die mißtrauische Gegenfrage, wenn ich mich in den Kaffeehausspielklubs an meine Bekannten forschend gewandt hatte.
„Ä Grotte sucht jenner!“ wurde das Gespräch, halblaut geknurrt, von Schachbrett zu Schachbrett weitergegeben, bis es nach geraumer Zeit die intimen Gettoschranken durchbrochen hatte, um in der ganzen Stadt zu kursieren wie ein Sphinxproblem, das trotz seiner Unlösbarkeit die Menschengehirne immer wieder zum Grübeln zwingt.