Der Buddha ist meine Zuflucht.“

Das Wachsfigurenkabinett

„Es war ein guter Gedanke von dir, Melchior Kreuzer zu telegraphieren! — Glaubst du, daß er unserer Bitte Folge leisten wird, Sinclair? Wenn er den ersten Zug benutzt hat“ — Sebaldus sah auf seine Uhr — „muß er jeden Augenblick hier sein.“

Sinclair war aufgestanden und deutete statt jeder Antwort durch die Fensterscheibe.

Und da sah man einen langen schmächtigen Menschen eilig die Straße heraufkommen.

„Manches Mal gleiten Sekunden an unserm Bewußtsein vorbei, die uns die alltäglichsten Vorgänge so schreckhaft neu erscheinen lassen, — hast du es auch zuweilen, Sinclair? — Es ist, als sei man plötzlich aufgewacht und sofort wieder eingeschlafen und habe währenddessen einen Herzschlag lang in bedeutsame rätselvolle Begebnisse hineingeblickt.“

Sinclair sah seinen Freund aufmerksam an. „Was willst du damit sagen?“

„Es wird wohl der verstimmende Einfluß sein, der mich in dem Wachsfigurenkabinett befiel,“ fuhr Sebaldus fort, „ich bin unsäglich empfindlich heute, — — — als soeben Melchior von weitem herankam und ich seine Gestalt immer mehr und mehr wachsen sah, je näher sie kam, — da lag etwas, was mich quälte, etwas — wie soll ich nur sagen — Nicht-Heimliches für mich darin, daß die Entfernung alle Dinge zu verschlingen vermag, ob es jetzt Körper sind oder Töne, Gedanken, Phantasien oder Ereignisse. Oder umgekehrt, wir sehen sie zuerst winzig von weitem, und langsam werden sie größer, — alle, alle, — auch die, die unstofflich sind und keine räumliche Strecke zurücklegen müssen. — Aber ich finde nicht die rechten Worte, fühlst du nicht, wie ich es meine? — Sie scheinen alle unter demselben Gesetze zu stehen!“

Der andere nickte nachdenklich mit dem Kopfe.

„Ja, und manche Ereignisse und Gedanken, die schleichen verstohlen heran, — als ob es ‚dort‘ — etwas wie Bodenerhebungen oder dergleichen gäbe, hinter denen sie sich verborgen halten könnten. — Plötzlich springen sie dann hinter einem Versteck hervor und stehen unerwartet, riesengroß vor uns da.“