Man hörte die Tür gehen, und gleich darauf trat Dr. Kreuzer zu ihnen in die Weinschenke.
„Melchior Kreuzer — Christian Sebaldus Obereit, Chemiker“, stellte Sinclair die beiden einander vor.
„Ich kann mir schon denken, weshalb Sie mir telegraphiert haben“, sagte der Angekommene. — „Frau Lukretias alter Gram!? Auch mir fuhr es in die Glieder, als ich den Namen Mohammed Daraschekoh gestern in der Zeitung las. Haben Sie schon etwas herausgebracht? Ist es derselbe?“
*
Auf dem ungepflasterten Marktplatz stand der Zeltbau des Wachsfigurenkabinetts, und aus den hundert kleinen zackigen Spiegeln, die auf dem Leinwandgiebel in Rosettenschrift die Worte formten:
Mohammed Daraschekohs orientalisches Panoptikum,
vorgeführt von Mr. Congo-Brown
glitzerte rosa der letzte Widerschein des Abendhimmels.
Die Segeltuchwände des Zeltes, mit wilden, aufregenden Szenen grell bemalt, schwankten leise und bauchten sich zuweilen wie hautüberspannte Wangen aus, wenn im Innern jemand umherhantierte und sich an sie lehnte.
Zwei Holzstufen führten zum Eingang empor, und oben stand unter einem Glassturz die lebensgroße Wachsfigur eines Weibes in Flittertrikot.
Das fahle Gesicht mit den Glasaugen drehte sich langsam und sah in die Menge hinab, die sich um das Zelt drängte, — von einem zum andern; blickte dann zur Seite, als erwarte es einen heimlichen Befehl von dem dunkelhäutigen Ägypter, der an der Kasse saß, und schnellte dann mit drei zitternden Rucken in den Nacken, daß das lange schwarze Haar flog, um nach einer Weile wieder zögernd zurückzukehren, trostlos vor sich hinzustarren und die Bewegungen von neuem zu beginnen.