Und Ivan und sein Bruder hatten ein so plötzliches schauerliches Ende gefunden! —
— — — Wir begriffen Tonios starre Verzweiflung. Auch wenn am Gelingen des Zaubers nur der Zufall die Schuld getragen hätte, welcher Abgrund dämonischer Liebesempfindung lag in diesem Weibe! — Ein Empfinden, so fremd und unfaßbar, daß wir normalen Menschen mit unserer Erkenntnis wie in Triebsand versinken, wenn wir den Versuch wagen, mit Begriffen in diese schrecklichen Rätsel einer krebsigen Seele hinabzuleuchten. — —
Wir saßen damals die halbe Nacht — wir drei — und horchten, wie die alte Uhr tickend die Zeit zernagte, und ich suchte und suchte vergeblich nach Worten des Trostes in meinem Hirn — im Herzen — in der Kehle; — und Tonios Augen hingen unverwandt an meinen Lippen: er wartete auf die Lüge, die ihm noch Betäubung bringen konnte. — — — — — — —
Wie Manuel — hinter mir — den Entschluß faßte, den Mund öffnete, um zureden, — ich wußte es, ohne mich umzusehen. Jetzt — jetzt würde er es sagen. — — Ein Räuspern, ein Scharren mit dem Stuhl, — — — dann wieder Stille, eine ewig lange Zeit. Wir fühlten, jetzt tastet sich die Lüge durch das Zimmer, unsicher tappend an den Wänden, wie ein seelenloser Schemen ohne Kopf.
Endlich Worte — verlogene Worte — wie verdorrt: „Vielleicht — — — — — — vielleicht — — liebt sie dich anders als — — — — als die andern.“
Totenstille. Wir saßen und hielten den Atem an: — daß nur die Lüge nicht stirbt, — — sie schwankt hin und her auf gallertenen Füßen und will fallen, — — — nur eine Sekunde noch! — —
Langsam, langsam begannen sich Tonios Züge zu verändern: Irrlicht Hoffnung!
— — — Da war die Lüge Fleisch geworden! —
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— — Soll ich Ihnen noch das Ende erzählen? Mir graut, es in Worte zu kleiden. — Stehen wir auf, mir läuft ein Schauer über den Rücken, wir haben zu lange hier auf der Bank gesessen. Und die Nacht ist so kalt.