In einer Stunde beginnt die hundertjährige Feier, der er doch beiwohnen muß.“

„Immer ein Mißton, wie ärgerlich,“ meinte einer der Jüngeren, „hat es sich doch so gemütlich getrunken.“

Verstimmung lag über der Tafelrunde.

Stumm saßen alle um den halbkreisförmigen Tisch und sogen an ihren weißen, holländischen Pfeifen.

In den mittelalterlichen Ordensmänteln, behangen mit kabbalistischen Zieraten, sahen sie wie eine spukhafte Versammlung seltsam und unwirklich aus in dem trüben Lichte der Öllampen, das kaum bis in die Ecken des Zimmers und hin zu den vorhanglosen gotischen Fenstern drang.

„Werde ihn besänftigen gehen, den Alten“, sagte endlich ‚Corvinus‘, ein junger Musiker — und ging hinaus.

Fortunat neigte sich zum Arche-Zensor: „Corvinus hat Einfluß auf ihn? — Corvinus?!“

Baal Schem brummte etwas in den Bart: — Corvinus sei mit Beatrix, Ariosts Nichte, verlobt.

Wieder nahm Ismael Gneiting die Rede auf und sprach von den vergessenen Glaubenssätzen des Ordens, der zurückreiche bis in die graue Vorzeit, wo die Dämonen der Sphären noch die Vorfahren des Menschen gelehrt.

Von den schweren, düsteren Prophezeiungen, die alle, alle mit der Zeit ihre Erfüllung gefunden hätten, Buchstabe um Buchstabe, Satz für Satz, daß es einen verzweifeln lasse an der Willensfreiheit der Lebenden; — und von dem „versiegelten Briefe von Prag“, der letzten echten Reliquie, die heute noch der Orden besitze. „Kurios! Wer ihn vorwitzig öffnen wolle, diesen ‚sealed letter from Prague‘, ehe die Zeit erfüllet sei, der — — — wie heißt es doch im Original, ‚Lord Kelwyn‘?“ wandte Ismael Gneiting fragend seinen Blick zu einem uralten Bruder, der zusammengesunken und unbeweglich gegenüber in einem geschnitzten und vergoldeten Lehnstuhl saß. „Der verderbet, ehe er beginnt! Sein Angesicht wird die Finsternis verschlingen und nicht mehr herausgeben.“ — — —?