„Sie leben von den leeren Gebeten“, sagt der Alte. „Jeder sieht sie, und doch kennt sie keiner, — wenn sie tagsüber bei den Kirchentüren hocken.“
Wenn der Priester die Messe liest, schlafen sie in den Flüsterecken.
„Hat sie mein Hiersein im Beten gestört?“ fragt der Einsame. —
Der Alte tritt an seine linke Seite: „Wessen Füße im lebendigen Wasser stehen, der ist selber das Gebet! Wußte ich doch, daß heute einer kommen würde, der sehen und hören kann!“ —
Gelbe Lichtreflexe hüpfen über die Steine, wie Irrlichter.
„Sehen Sie die Goldadern, die sich hier unter den Quadern hinziehen?“ Das Gesicht des Alten flackert.
Der Einsame schüttelt den Kopf: „Mein Blick dringt nicht so tief. — Oder meinen Sie es anders?“
Der Alte nimmt ihn an der Hand und führt ihn zum Altar. —
Das Bild des Gekreuzigten ragt stumm.
Schatten bewegen sich leise in den dunkeln Seitenlogen hinter gebauchten, kunstvollen Gittern: — Schemen alter Stiftfräulein aus vergessenen Zeiten, die nie mehr wiederkehren, — fremdartig — entsagungsvoll wie Weihrauchduft.