Er fährt mit dem Fuß darüber hin, da kommt aus einem Glanzstreifen des Metalls eine halberloschene Inschrift hervor: eine Jahreszahl und daneben die Worte:
»Erbaut von
Jakob de Vitriaco«.
Die feinen Spinnenfäden, die die Dinge der Erde mitsammen verbinden, entwirren sich vor Leonhards Erkenntnis: der belanglose Name eines fremden Baumeisters, kaum eingeritzt in sein Gedächtnis, so und so oftmal in der Zeit der Jugend gelesen und so und so oftmal wieder vergessen – sein alter unsichtbarer im Kreis der Wanderung als rufender Meister verkleideter Begleiter: er liegt vor seinen Füßen, zum gleichgültigen Wort geworden in derselben Stunde, wo seine Sendung zu Ende und die geheime Sehnsucht der Seele, heimzukehren zum Ausgangspunkt, erfüllt ist.
Meister Leonhard sieht den Rest seines Lebens als Einsiedler inmitten der Wildnis des Daseins, er trägt ein härenes Kleid aus rauhen Decken, die er unter den Trümmern der Brandstätte findet, baut einen Herd aus rohen Ziegeln.
Die Gestalten der Menschen, die sich bisweilen in die Nähe der Kapelle verirren, scheinen ihm wesenlos wie Schemen, werden erst lebendig, wenn er ihr Bild hineinzieht in den Zauberkreis seines Ichs und sie darin unsterblich macht.
Die Formen des Daseins sind ihm dasselbe wie die wechselnden Gesichter der Wolken: mannigfaltig und doch im Grunde nichts als Wasserdampf.