Wieder wie damals in der Nacht der Geburt seiner Tochter stehen zwei große Sterne dicht beisammen am südlichen Himmel, starren auf ihn herab.

Fackeln wimmeln durch den Wald.

Sensen klirren.

Wutverzerrte Gesichter schweben zwischen den Stämmen, halblaute Stimmen murren, das alte bucklige Weib aus dem Meiler steht wieder vor der Kapelle, fuchtelt mit hageren Armen, deutet auf die Teufelssilhouette im Schnee, winkt den abergläubischen Bauern, glotzt mit irren Augen wie mit zwei grünlichen Sternen unverwandt durch die Scheiben.

Auf ihrer Stirne glüht ein rotes Muttermal.

Meister Leonhard rührt sich nicht, er weiß, daß die da draußen ihn erschlagen kommen, weiß, daß der Teufelsschatten, der aus ihm herausfällt auf den Schnee und ein Nichts bedeutet und jeder Bewegung seiner Hand folgen muß, die Ursache der Wut der abergläubischen Menge ist, aber er weiß auch, daß der, den sie erschlagen wollen: sein Leib, nur ein Schatten ist, so wie sie nur Schatten sind – wesenloser Schein im Scheinreich der rollenden Zeit, und daß auch die Schatten dem Gesetze des Kreises gehorchen.

Er weiß, daß die Alte mit dem Blutmal seine Tochter ist, die die Züge seiner Mutter trägt, und von ihr das Ende kommt, damit sich der große Bogen schließe:

Die Wanderung der Seele im Kreis durch die Nebel der Geburten zurück zum Tod.

Das Grillenspiel

»Nun?«, fragten die Herren wie aus einem Munde, als Professor Goclenius rascher als es sonst seine Gewohnheit war und mit auffallend verstörtem Gesicht eintrat, »nun, hat man Ihnen die Briefe ausgefolgt? – Ist Johannes Skoper schon unterwegs nach Europa? – Wie geht es ihm? Sind Sammlungen mit angekommen?« – riefen alle durcheinander.