Ich sprach sofort – rein aus Neugierde – den Wunsch aus, den erwähnten hohen Dugpa zu Gesicht zu bekommen, aber mein Karawanenführer, selber ein Osttibeter, widersetzte sich mit Hartnäckigkeit. Das alles sei dummes Zeug, Dugpas gäbe es im Bhutangebiet überhaupt nicht, schrie er in einem fort, auch würde ein Dugpa – schon gar ein Samtscheh Mitschebat – nie und nimmer einem Weißen seine Künste zeigen.
Der allzu eifrige Widerstand des Mannes wurde mir immer verdächtiger, und nach stundenlangem Kreuz- und Querfragen brachte ich denn auch aus ihm heraus, daß er selbst Anhänger der Bhonreligion sei und ganz genau wisse, – aus der rötlichen Färbung der Erddünste, wollte er mir vorlügen, – daß ein ‘eingeweihter’ Dugpa in der Nähe weile.
‘Aber er wird dir niemals seine Künste zeigen’, schloß er jedesmal seine Rede.
‘Warum denn nicht?’, fragte ich schließlich.
‘Weil er die – Verantwortung nicht übernimmt.’
‘Was für eine Verantwortung?’, forschte ich weiter.
‘Er würde infolge der Störung, die er damit im Reiche der Ursachen anrichtet, von neuem in den Strudel der Wiederverkörperung verstrickt werden, wenn nicht etwas noch viel viel Schlimmeres.’
Es interessierte mich, Näheres über die geheimnisvolle Bhonreligion zu erfahren, und ich fragte daher: ‘Hat ein Mensch nach deinem Glauben eine Seele?’
‘Ja und Nein.’
‘Wieso?’