Erst das Erscheinen des Schachbrettes löste seine Verzauberung; dann aber waren im Nu die Figuren aufgestellt, die lockern Köpfe der Rössel mit Spucke befestigt und der fehlende Turm durch ein geknicktes Streichholz ersetzt.

Nach dem dritten Zuge entzwickerte sich der Weltmann, nahm eine verkrampfte Stellung an und versank in dumpfes Brüten.

»Er scheint den dümmsten Zug auf dem Brett herausfinden zu wollen, – ich wüßte nicht, weshalb er sonst so lange nachdächte!« murmelte der Gelehrte und stierte dabei geistesabwesend die schweinfurtergrünseidene Dame – das einzige Lebewesen im Zimmer außer ihm und dem Weltmann – an, die ruhevoll wie die Göttin auf dem Titelkopf von »Über Land und Meer« auf dem Wandsofa thronte, vor sich einen Teller Schaumrollen, und das kühle Frauenherz mit hundertpfündigem Speck umpanzert.

»Ich geb’s auf«, meldete sich endlich der Herr mit der edelsteinernen Automobillaterne, schob die Schachfiguren zusammen, entnahm seiner Rippengegend ein güldenes Futteral, fischte eine Visitenkarte heraus und reichte sie dem Gelehrten. Dr. Paupersum las:

Zenon Sawaniewski
Impresario für Monstrositäten.

»Hm. Tja. Hm – für Monstrositäten, hm, – für Monstrositäten«, wiederholte er eine Weile verständnislos. »Aber gedenken Sie nicht noch ein paar Partien zu spielen?«, fragte er dann laut, den Sinn auf Kapitalsvermehrung gerichtet.

»Gewiß. Natürlich. Soviel Sie wünschen,« sagte der Weltmann höflich, »aber wollen wir nicht vorerst von etwas Einträglicherem sprechen?«

»Von etwas noch – noch Einträglicherem?«, fuhr es dem Gelehrten heraus, und leise Falten des Mißtrauens legten sich um seine Augenwinkel.

»Ich habe zufällig gehört,« begann der Impresario und bestellte bei dem Kellner durch plastische Handbewegungen eine Flasche Wein und ein Glas, »ganz zufällig, daß Sie trotz Ihres großen Rufes als Leuchte der Wissenschaft zur Zeit keine feste Anstellung haben?«

»Doch. Ich wickle tagsüber Liebesgaben ein und versehe sie mit Postwertzeichen.«