»Rosen, ein Strauß Rosen war ihr letzter Wunsch gewesen,« scheuchte es ihn nochmals auf – – – »so kann ich ihr doch wenigstens einen Strauß Rosen kaufen, ich habe ja eine Mark im Schachspiel gewonnen,« – er wühlte wieder in seinen Taschen und eilte hinaus, ohne Hut in die Dunkelheit, einem letzten winzigen Irrlicht nach.
Am nächsten Morgen fanden sie ihn auf dem Grab seiner Tochter. Tot. Die Hände tief in die Erde gewühlt. Er hatte sich die Pulsadern durchschnitten, und sein Blut war hinabgesickert zu der, die da unten schlief.
Auf seinem weißen Gesicht aber lag ein Glanz jenes stolzen Friedens, den keine Hoffnung mehr stören kann.
Amadeus Knödlseder
Der unverbesserliche Lämmergeier
»Knödlseder, schleich dich!« hatte der bayerische Steinadler Andreas Humplmeier gesagt und das Fleischstück, das des Wärters spendende Hand durchs Gitter gesteckt, brüsk an sich gerissen.
»Sauviech, verfluachts«, schimpfte, vor Wut außer sich, der hochbetagte, in der langen Gefangenschaft bereits kurzsichtig gewordene Lämmergeier – denn dies war der solchergestalt auf geringschätzige Weise Angeredete, flog auf eine Stange und spuckte dünn nach seinem Widersacher.
Doch Humplmeier ließ sich nicht beirren; den Kopf in die schützende Ecke gesteckt, verzehrte er das Fleisch, hob nur verächtlich die Schwanzfedern und höhnte: »Geh her! Kriagst a Watschn.«
Es war nun schon das drittemal, daß Amadeus Knödlseder um sein Abendessen kam!
»Das geht nicht länger so weiter«, brummte er und schloß die Augen, um das unverschämte Grinsen des Marabus nebenan im Käfig nicht zu sehen, der regungslos im Winkel saß und angeblich »Gott dankte«, – eine Beschäftigung, der er als heiliger Vogel rastlos obliegen zu müssen glaubte, »das geht nicht länger so weiter«.