Und wie ich weiterwanderte, kam ich in eine Stadt, die voller Menschen war. Viele von ihnen kannte ich auf Erden, und ich erinnerte mich ihrer zahllosen fehlgeschlagenen Hoffnungen und wie sie von Jahr zu Jahr gebeugter gingen und doch die Vampire, – ihre eigenen dämonischen Iche, – die ihnen das Leben und die Zeit fraßen, sich nicht aus dem Herzen reißen wollten. Hier sah ich sie zu schwammigen Scheusalen aufgebläht, mit dickem Wanst, die Augen stier und gläsern über den speckverquollenen Wangen, umherschwabbern.
Aus einem Bankladen mit dem Aushängeschild
Wechselstube Fortuna
Jedes Los gewinnt den Haupttreffer
drängte Kopf an Kopf eine grinsende Menge, Säcke von Gold hinter sich herschleifend, die wulstigen Lippen in sattem Schmatzen verzogen: die zu Fett und Gallert gewordenen Phantome aller derer, die auf Erden dahinsiechen in unstillbarem Durst nach Spielergewinn.
Ich trat in eine tempelartige Halle, deren Säulen bis zum Himmel ragten; darin saß auf einem Thron aus geronnenem Blut ein Ungeheuer mit Menschenleib und vier Armen, die gräßliche Hyänenschnauze triefend vor Geifer: der Kriegsgott wilder afrikanischer Stämme, die in ihrem Aberglauben Opfer darbringen, um den Sieg über die Feinde zu erflehen.
Voll Entsetzen floh ich aus dem Dunstkreis der Verwesung, der die Stätte erfüllte, zurück in die Straßen und blieb voll Staunen vor einem Palast stehen, der an Pracht alles übertraf, was ich jemals gesehen. Und doch kam mir jeder Stein, jeder First, jede Treppe so seltsam bekannt vor, als hätte ich in Phantasien einst selber all das erbaut.
Als sei ich unumschränkter Herr und Besitzer des Hauses, stieg ich die breiten Marmorstufen empor, da las ich auf einem Türschild – meinen eigenen Namen:
Johann Hermann Obereit.
Ich trat ein und sah mich selbst im Purpur an einer prunkvollen Tafel sitzen, von tausend Sklavinnen bedient, und ich erkannte in ihnen alle die Frauen wieder, die im Leben meine Sinne erfüllt hatten, wenn auch manche nur für einen flüchtigen Augenblick.
Ein Gefühl unbeschreiblichen Hasses befiel mich bei dem Bewußtsein, daß jener – mein eigener Doppelgänger – hier schwelgte und praßte, seit ich lebte, und daß ich selber es gewesen war, der ihn ins Dasein gerufen und mit Reichtum beschenkt hatte, indem ich mir die magische Kraft meines Ichs in Hoffen, Ersehnen und Warten aus der Seele entströmen ließ.