Die Länder wie dämmernde Matten,
Der Strom wie ein silbern Band.«
Ein langer Blick dann zurück in das stille Tal Eden, das wir nun verlassen, und es geht uns durch die Seele ein Klang der Sehnsucht:
»Du bist Orplid, mein Land,
Das ferne leuchtet!«
Bald treten wir aus dem Walde auf kahle Höhe mit weitem Fernblick. Die Sonne brütet heiß, und die Grillen zirpen am Feldrain, wo die Grasnelken nicken. Dann fliegt das Rad hinab durch steilen, krummen Hohlweg, zwischen Wiese und Feld in das Dorf Colmnitz, dessen Höfe sich rechts und links von Bach und Straße, unter Eschen und Birken, oft in malerischer Lage und Gruppe siedeln. Doch wir sind noch wie im Traume. Wir achten nicht viel, nicht so wie sonst, auf jedes Haus und jede Gruppe von Bäumen und Bauten, auf jede Eigenheit der Bauart oder neckischer Laune, auf Vogel und Blume und die blitzenden Wellen im Bach. Wir sind im geschäftigen Leben draußen, aber unsere Seele weilt noch dort drüben im stillen Tale, wo die Welt schweigt; sie wandert noch auf dem silbernen Steg in den smaragdenen Elfenwiesen, an derem Rand die dunklen Fichten Märchen träumen, und wo um die Felsen geheimnisvoll die Sage raunt.
Colmnitz liegt hinter uns. Von der Höhe schauen wir noch einmal lange über den weiten Acker, über das Dorf hinweg, das sich mit seinen Häusern fast versteckt und tief in das Tal duckt. Dort drüben liegt der Wald in langgestreckten, feierlichen Wogen im blauen Dufte, dort drüben das Tal, dort drüben – dort drüben –
»Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus!«