»Als ich am Tag der Geburt die Welt anweinte, da nickten
Vater und Mutter und Freund lächelnd dem Weinenden zu.
Nun ich ihn ausgekämpft, den Ihr noch kämpfet, den Weltkampf
Lächl’ ich am Ziel, und Ihr weinet dem Lächelnden nach!«
Diese Worte bestimmte sich zur Grabschrift der hier ruhende Königl. Sächs. Generalleutnant und Commandant der Festung Königstein, Ritter des Militär St. Heinrichsordens
Karl Friedrich Ernst von Nostitz,
geb. den 18. Juni 1767, gest. d. 17. April 1838.
Sein Andenken segnen, die ihn erkannten!
Es ist zwar nicht eine soldatische Inschrift etwa für einen alten Haudegen, aber eine Inschrift, die zu denken gibt, die in der stillen Bescheidung und rückschauenden Lebenswertung des Greisenalters kennzeichnend für den Verstorbenen und seine Zeit und darum wertvoll ist. – Wie leer und kalt lassen oft die tausendfach gedankenlos wiederholten Worte auf modernen Friedhöfen an prunkenden Steinen, denen die Seele fehlt. Hier aus der schlichten, wuchtigen, moosigen Platte spricht eine Seele.
»Sein Andenken segnen, die ihn erkannten!« Wie fein und wie maßvoll wird hier dem Toten Ehre gezollt. Wir wissen nicht, ob der Kreis derer, die ihn erkannten, groß oder klein, hoch oder niedrig war, ob ihn nicht auch viele verkannten, wir hören nur, daß er Menschen zum Segen war. Ist dies nicht mehr als mancher tönende Nachruf, manche rühmende Gedächtnisrede, so viele übertriebene Lobsprüche und vergoldete Lügen auf Grabsteinen? –
Der kleine Friedhof der Festung birgt tiefe Lehren in sich. –
In seiner schweigenden Abgeschiedenheit weit vom Alltag, hoch über Staub und Unrast des Lebens da draußen ist er eine stille Stätte für die letzte Ruhe, von so ergreifender Stimmung wie wenige im Lande. Mögen sorgende Hände und sinnige Herzen mit innigem Verständnis für seine Worte stets diesen weihevollen Totengarten hüten und seiner warten. –