Mir wars, als stände ich mit Gott alleine,

So einsam, weit und helle wars da oben.«

Um die Felsblöcke dort oben saust der Wind. Frau Sage sitzt dort und raunt ihm ihre Geheimnisse zu. Zauberkundige Venetianer, »die Walen«, sollen dort Gold gefunden und aus unterirdischen Höhlen geborgen haben. Als 1874 moderne Goldgräber hier ihren Schacht in die Tiefe trieben, da floh das Gold und wurde taubes Gestein und arm an Beutel mußte die Habgier heimkehren. Frau Sage sitzt wieder dort und schaut mit tiefen Augen ins Land und dir in die Seele, wenn du ein Sonntagskind bist, d. h. wenn du Höhengedanken in dir trägst. Sie erzählt dir von den Wundern der Heimat, die ewig sind und ewig jung.

Durch tiefen Schnee ging es dann weiter und schließlich abwärts ins Seiffener Tal, zuletzt auf steilem Fußwege hinunter. Tiefe Schneewehen boten hier willkommenen Halt auf dem vereisten steilen Pfad gegen den Absturz. Watend und springend, rutschend und fest den Wanderstab einsetzend gelangten wir glücklich zu den ersten Häusern am Hange, wo der Weg ebener und sicherer wurde und uns bald an winzigen Erzgebirgshäuseln vorbei auf die Talstraße führte.

Nur wenige Schritte noch und unser Ziel ist erreicht, das Erbgericht, das bunte Haus. Helle leuchten uns seine blanken Mauern und Fenster entgegen. Ein Querhaus und zwei Flügel umschließen einen offenen Hof, als breiteten sich uns offene Arme entgegen: »Seid willkommen, hie ist gut sein, hier magst du rasten und weilen und mag es dir wohl werden.« Dort über den Fenstern grüßt gar vertraut Alt-Freibergs Bergparade vom langen, gemalten, bunten Holzschild. Ja wahrlich, es ist recht, hier der alten Berghauptstadt des Landes und ihrer Bergherrlichkeit zu gedenken in so sinniger und sinnfälliger Weise, denn von ihr ging die Kultur des Landes aus, ward die Wildnis des Miriquidi gerodet und besiedelt, wurden die Erzgruben des Gebirges erschlossen. Der Name Erzgebirge wurde erst im sechzehnten Jahrhundert üblich, als an vielen Stellen Erz entdeckt und die Bergstädte mit den Namen der heiligen Familie wie Joachimsthal, Annaberg, Marienberg, Jöhstadt usw. gegründet wurden.

Vorher hieß es nach den Worten eines alten Dichters:

»Sehr wild und felsicht wars in diesen Waldesöden,

Da hauste Wolf und Bär mehr als ein Menschenkind.

Man sahe nichts von Feld, von Handelschaft und Städten,

Die Luft war angestrengt mit Nebel, Frost und Wind.«