Auch Seiffen dankt ja seinen Namen und Entstehung dem Bergbau, dem Zinnbergbau. Ausseiffen bedeutet auswaschen der Erzkörner aus Sand und Geröll. Längst ist er zwar zur Rüste gegangen, aber überall hat er seine unverwischbaren Spuren hinterlassen. Man sieht es, daß der Bergbau nicht unbedeutend gewesen sein kann und dies bestätigen alte Berichte: 1686 wurden rund 200 Zentner »Zien« à 22–23 Thaler gewonnen. 1730 waren in Seiffen vier, im benachbarten Heidelberg zehn Zechen im Betrieb. Die Ausbeute betrug 508 Zentner Zinn à 22 Thaler. Doch allmählich ließ die Ergiebigkeit der Gruben nach, der Bergbau kam in Verfall. Schon im 16. Jahrhundert gab es Holzdrechsler, welche mehr dem Holzreichtum der Wälder als dem Erzreichtum der Tiefe trauten. Der Bergmann ist ja auch immer ein Basteler gewesen. So ist es kein Wunder, daß oft aus dem Zeitvertreib ein Beruf wurde, und daß, als der Bergbau seinen Mann nicht mehr nährte, statt Schlägel und Eisen das Schnitzmesser den Lebensunterhalt verdienen mußte. Seiffen wurde allmählich der Mittelpunkt und Hauptort der Spielwarenindustrie. Es wurde aus einem alten Bergmannsdorf der Typus des erzgebirgischen Schnitzer- und Industriedorfes, wo eigenartige Gegensätze sich berühren.
Hier das »Bunte Haus« ist so recht das Heim und der Ausdruck dieser erzgebirgischen Volkskunst und Volksindustrie geworden, einer Weihnachtskunst, bei der man fröhlich und ein Kind wird wie zu Weihnachten, in der man sich heimisch und wohlfühlt, als erzählte Großmutter ein Märchen aus der Zeit »Es war einmal«. Vom hübsch geschmiedeten Arm an der Hausecke grüßt uns der Spruch:
»Erst die Erde, dann die Sterne,
Erst die Heimat, dann die Ferne.«
Jawohl, viele suchen die Heimat und können doch nie heimfinden, viele haben die Heimat und halten sie nicht. Heimat ist kein leerer Ortsbegriff, Heimat ist eine Herzenssache. Wer kein Herz hat, wie will der die Heimat finden oder halten?
Möge die Kunst der Heimat der Heimat eine Seele geben, welche jene Vielen wieder zu rechten Heimatfreunden, Heimatkindern mit Herzen voll heimwehen Heimatstolzes macht. –
Hier im Bunten Hause ist der wohlgelungene Versuch gemacht, durch die Heimatkunst des Ortes ein echt erzgebirgisches Heimathaus zu machen, in welchem man das Herz der Heimat pochen fühlt und hört. Was der Hausspruch sagt und wünscht, das mag wohl sicher in Erfüllung gehen:
»Die Vorzeit grüßt Euch, daß Ihr wißt,
wie schön sie einst gewesen ist.
Gott gebe, daß die Nachwelt spat