als der Kurfürst eben war net zu Haus,
die zarten Förstenzweige?
So geht’s, wer wider die öberkeit
sich unbesonnen empöret.
Wer es nicht meint, der schau an Kunzen
sin Kop tut zu Freiberg noch herußen schmunzen
und jedermann davon lernt.«
Ein schwarzer Stein mit verwischtem Kreuz liegt an der Stelle, wo sein Haupt fiel, und ist seit Jahrhunderten eines der Wahrzeichen der alten Bergstadt, die jeder wandernde Handwerksbursche und Zunftgenosse als Ausweis seiner Ortskenntnis kennen und nennen mußte. Heute noch speit auf den Stein jeder Schulbube, der vorübergeht: Er meint nach alter Sage, es ginge ihm besonders in der Schule gut, wenn er zuvor als braver Knabe dem Andenken des bösen schwarzen Raubritters und Prinzenräubers seine Nichtachtung bezeigt hätte. 123 Jahre später, im Jahre 1578, wurde das Rathaus von Andreas Lorentz »des Rats Steinmetz«, mit einem Erker geziert. Aus dem Giebel schaut weit herausgereckt das Haupt eines Geharnischten mit Eisenhaube mit trotzigen Mienen hernieder auf den schwarzen Stein. Es soll Kunz von Kaufungen sein, der nach seiner Richtstätte schaut und keine Ruhe findet, bis ihm Gerechtigkeit nach seinem Sinne geworden.
Noch ein anderes Erinnerungsstück hält das Gedächtnis an Kunz von Kaufungen den wechselnden Geschlechtern lebendig. Es ist die Steigeleiter, welche er zur Tat benutzt hatte und welche seit jenen Tagen im Rathause zu Freiberg aufbewahrt wird. Der untere kürzere Teil befindet sich im Schlosse zu Altenburg. Die Beschaffenheit der Leiter zeigt, daß es sich nicht um eine rasche Tat handelte, sondern mit welcher kalten Überlegung und Sorgfalt lange vorher die Tat vorbereitet und geplant war. In diesem Sinne mag sie in den Augen der Richter besonders belastend und für das Urteil mit entscheidend gewesen sein. Sie ist aus doppelt genähten, starken Ledergurten mit Holzsprossen hergestellt und hat eine Länge von 7,50 m mit 30 Sprossen. Jede Sprosse ist mit hölzerner Mutter sorgfältig von außen an den seitlichen Gurten befestigt und gesichert. Mit jeder achten Sprosse sind fest zwei Stützhölzer von etwa 20 cm Länge verbunden, durch welche die an der Mauer hängende Leiter eine ziemliche Steifigkeit erhielt, so daß sie, sich fest gegen die Wand stützend, genügend Abstand halten und auch ein Hin- und Herschwanken und Pendeln vermeiden konnte. Drei Paare solcher festen Sprossenstützen sind vorhanden.
Das obere Ende der Leiter ist durch ein Dreieck von Rundeisen an einem eisernen Bügel oder Überwurf befestigt, der ähnlich einer festen Klammer über die Fenstersohlbank des zu ersteigenden Fensters geworfen wurde und sich dort fest einbiß. Dieser Klammerbügel ist jedoch lang genug, daß das obere Leiterende entsprechend den Sprossenstützen im Abstand von der Mauer gehalten wurde, um ein bequemes Steigen mit Hand und Fuß zu ermöglichen. Es ist eine Arbeit raffinierter Überlegung und Erfahrung, an welcher lange gearbeitet ist, um nur nicht etwa an einem technischen Mangel den kühnen Plan scheitern zu lassen. – –