Drei trotzige Türme mit Zinnen und flachen Kegeldächern, und ein zinnengekröntes Mauertor, in dem ein Herzschild mit wehrhaftem Löwen den Zugang sperrt, das ist das Wappen des alten Vriberch, »Sigillum Burgensium in Vriberch«, »das Siegel der Bürger in Vriberch«. An einer der ältesten erhaltenen Freiberger Urkunden von 1227 hängt es bedeutungsvoll, und man darf annehmen, daß seit der Stadtgründung, etwa 50 Jahre zuvor, dieses Wappen geführt wurde und den Stolz und trutzigen Sinn der Stadt auf dem freien Berge, der deutschen Bergmannsstadt in slavischer Wildnis, zum Ausdruck brachte. Dieses Siegel sagte Freund und Feind, daß die junge Stadt eine ummauerte, wohlbefestigte sei, an deren Toren der Freiberger Löwe Wache hält und seine Klauen zum mächtigen Schlage dem Freunde zum Schutz, dem Feinde zum Trutz erhebt. Ein »redendes« Wappen, dessen Rede im Lauf der Geschichte zu Taten wurde.

Durch alle Jahrhunderte hat die Stadt dies Wappen mit den silbernen Türmen geführt, festgegründet auf silberdurchwachsenem freiem Felsengrunde.

Märchen gingen durch alle Lande von dem wunderbaren Reichtum der Stadt, wo die Ziegel auf den Dächern von Silber wären, und Bürger und Bergmann von Gold und Silber speisten. Wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht klingt es z. B., was uns der Chronist über das große Turnier berichtet, welches im Jahre 1263 der Markgraf Heinrich der Erlauchte von dem Freiberger Silber in Nordhausen ausrichtete: »Da er in der Mitte der Bahn einen gantzen silbernen Baum aufrichten lassen von halb gülden und halb silbern Blettern, auch einem jeden, welcher im rennen seinen Speer gebrochen, und auf dem Rosse sitzen blieben, ein silbern Blat, welcher aber den andern gar herabgestochen, ein gülden Blat verehret; dabey denn eine solche kostbare Zubereitung in allen Sachen gewesen, und gegenwärtige Fürsten, Graffen, Herren, Ritter und Adels Personen 8 Tage nacheinander dermassen stadlich tractiret worden, daß es, wie die alten historici berichten, einem Keyser schwer würde gefallen seyn, solches nachzuthun.« Von diesem Markgraf sagte man, daß er durch seinen »fürtrefflichen Reichthum gantz Böhmen mit baaren Gelde hette bezahlen, auch sonst andere Länder an sich und seine Nachkommen bringen können«. Auch die Chronik der Stadt Schneeberg, welche 1470 gegründet war, berichtet aus dem Jahre 1477: »Auch war in St. Georgen die große Silber-Stuffe wie ein Tisch verstrosset, darauff Herzog Albrecht Tafel gehalten und daraus hernachmals 400 Zentner Silber geschmelzet worden.«

Solche reiche Silberausbeute mußte wohl märchenhaft erscheinen und die Phantasie des Volkes mächtig anregen.

Hat man doch sogar in neuerer Zeit noch erstaunliche Funde gediegenen Silbers gemacht, wie z. B. im Jahre 1847 auf der Grube Himmelfahrt 17 Zentner auf einem Gangkreuz, im Jahre 1857 auf der Grube Himmelfürst sogar 91 Zentner plattenförmig auf einem Punkte beisammen. Da war es kein Wunder, daß in der Zeit, als das Silber fast zu Tage lag und das Erz mühelos gebrochen wurde, Markgraf Otto, der Gründer der Stadt, der »Reiche« genannt wurde, daß er dieses Schatzkästlein mit festen Mauern und Türmen umgab, und daß er die Wehrhaftigkeit durch Siegel und Wappen besonders betonte. Reste dieser ersten Mauer darf man wohl heute noch in den unteren Teilen der erhaltenen alten Stadtmauer am Donatsring vermuten. Ein stolzes Bild hat durch die Jahrhunderte die mauerumgürtete, turmgekrönte, zinnenumwehrte Stadt geboten, namentlich nachdem im Laufe des Mittelalters alle Erfahrungen und Künste der Befestigung und des Wehrbaues an ihre Wehrhaftmachung gesetzt waren. Sie war mit doppelten Mauern, 44 Türmen, fünf starken Torbauten, mit Gräben und breiten Teichen gesichert.

Der Chronist Möller schreibt im Jahre 1653:

»Die Ringmawern sind dick und stark, umb und umb zwiefächtig mit einem Zwinger. Die eine ist sehr hoch, und mit vielen Außwerken und Thürmen befestiget. Die andere, welche sonst die Zwinger Mawer genennet wird, ist etwas niedriger, und hat auch etliche besondere Thürmlein und Außwerke. Für den Ringmawern gehet umb die Stadt ein tieffer gefütterter Graben, welcher zum theil voll Wasser, zum theil leer ist. Man hat für diesen zur Lust etliche Stücke Wild drinnen gehalten und vermehret, wie auch noch bei Mannes gedenken etliche weisse Hirsche, sampt anderen Stücken, von der hohen Obrigkeit deßwegen dahin gesendet, und der Stadt verehret worden.

In den Ringmawern seynd fünff Haupt Thore, welche alle mit festen Thürmen, Brustwehren, Rondelen, hangenden Zugbrücken, und drey unterschiedlichen grossen Pforten, theils auch mit starken Schutzgattern, und anderen zur Defension und wider feindlichen Anlauff gehörenden Stücken wol verwahret seynd.«

Möller erwähnt hier nicht die Befestigung durch die Teiche, obschon sie bereits auf dem Stadtplan von 1554 vorhanden sind. Vom Peterstor bis dicht zum Meißner Tor, zehn an der Zahl, waren sie mit ihren senkrechten gemauerten Ufern oder Böschungen ein starkes Hindernis noch vor der Stadtmauer. Auch heute noch bietet sich, namentlich im Winter, dem Blicke, z. B. über den Schlüsselteich, auf die hohen Mauern und Türme ein trotziges stolzes Bild der alten Wehrhaftigkeit.

Von den fünf starken Torbauten ist nichts erhalten geblieben als der gewaltige Donatsturm im Osten der Stadt. Immer noch steht er, als kraftvolles Wahrzeichen der Stadt, wie ein treuer Wächter und ragt weit über Dächer und Giebel in die blaue Luft. Wie zu unzerstörbaren Felsenmauern gefügt türmen sich seine braunen und schwarzen Gneisquadern zu mächtigem Rundbau empor. 5 m stark sind seine Wände, so daß er auch für die schwersten Geschütze der älteren Zeit als unzerstörbar gelten mußte. Sein Umfang ist 44 m, sein Durchmesser 14 m und seine Höhe 29 m. So ragt er gen Himmel, über die Stadt und die Jahrhunderte, wie ein trotziger Fels, an dem die Wogen der Zeit und die Stürme des Schicksals sich brechen und zerstieben.