merks Wort, Gott dank, sing Lobgesang.«

Wie schön ist hier bei beiden Glocken in kurzem deutschen Wort ihre Bestimmung gesagt. Es ist nicht nötig, immer zur lateinischen Sprache zu greifen. Deutscher Geist und deutsche Kraft kann und muß auch für solche Zwecke in deutsche Kernsprüche gebannt werden. Freilich werden auf die Glockensprüche wohl meist die gelehrten Herrn Geistlichen Einfluß genommen haben und neben lateinischem Bibelspruch gern einen lateinischen Vers geformt haben, der ihnen dann vielleicht monumentaler klang als das ungefüge Deutsch. Kirchliches Herkommen, Handwerksbrauch und Bequemlichkeit stellte oft das gelenke Latein über das ungelenke Deutsch der alten Zeit.

Die Glocken auf den Petritürmen entstammen der Werkstätte des berühmten Gießergeschlechtes der »Hilger« zu Freiberg, welches während des 15. bis 17. Jahrhunderts in Freiberg blühte, und nicht nur für ganz Sachsen, sondern weiter hinaus im Reiche bedeutsame Werke schuf. Kaum ein größeres Dorf oder Stadt ist im Erzgebirge, wo nicht im Turm eine Hilgerglocke hängt und ihre Stimme tönen läßt. Lauschen wir einmal den Klängen ihres ehernen Mundes und den Worten, die sie zu uns sprechen:

Auf der Jakobikirche zu Freiberg ruft uns die größte der Glocken, welche 1684 Gabriel Hilliger goß und mit schönem Fries und dem Hilligerschen Wappen schmückte, in lateinischen Reimen und Worten zu, was ihre Lebensaufgabe ist:

»Laudo deum verum, plebem voco, congrego clerum, mortales ploro defunctos festa decoro

Ich lobe den wahren Gott, ich rufe das Volk, ich sammle die Geistlichkeit, die Toten beweine ich, festliche Tage schmücke ich.

Dieser lateinische Reimspruch aus dem Jahre 1684 ist ein alter Glockenspruch, den wir auch auf der großen Glocke der Kreuzkirche in Dresden von 1503 namens Scholastica finden. Sie hatte einen Durchmesser von 1,82 m und war von Heinrich Kannengießer gegossen. Diese Glocke in Dresden von 1503 versprach aber noch etwas mehr als die von 1684 in Freiberg: »pestem fugo« stand noch im Glockenspruch: »Ich verjage die Pest!« – Es steckt im Kern darin der uralte mittelalterliche Glaube, daß vor dem Glockenklang die Schlangen fliehn. 1684 hatte man in Freiberg entweder diesen Glauben nicht mehr, oder man kannte die Furchtbarkeit der Pest nicht mehr, die im Mittelalter und im Kriege als Würgengel die Städte und Dörfer durchschritt, während unaufhörlich wimmernde Glockenklänge die Toten beklagten und die furchtbare Seuche durch ihren heiligen Klang wie eine böse Teufelsmacht verjagen wollten und jammernd zum erbarmungslosen Himmel ihre Hilfe- und Gebetsrufe sandten. 1503 ist dieses »pestem fugo« noch ein Glockenklang aus tiefstem Grunde der Zeit und des Volkes.

Die kleine Glocke in Hilbersdorf von Zacharias Hilliger gegossen und mit seinem Wappen geschmückt ist auch solch ein Denkmal aus schwerer Zeit, das mit eherner Zunge sein Schicksal kündet aus den Jahren des Dreißigjährigen Krieges, als Freiberg und seine Umgebung bald von den Kaiserlichen, bald von den Schweden, bald von Freund, bald von Feind mißhandelt, geschunden und gemartert wurde. Die Umschrift der Glocke lautet:

»Feuer durch Krieg nam Weck mein Hall Anno 1639

Gott gab mir wieder nawen Schall Anno 1641. Z. H.«