Gar manche Glocken in Sachsen sind durch Krieg und Brand zerstört und umgegossen worden und erzählen in kurzem Wort so ihr Schicksal. Die Glocke der Liebfrauenkirche (Gottesackerkirche) in Zschopau wurde 1748 durch Brand vernichtet und meldet nun, was ihr geschah und was ihre Aufgabe ist, mit folgenden Worten:
Für dem Brande dient ich Leichen,
Itzo da die andern schweigen
Ruf ich euch zu Gottes Wort
Laßt es seyn der Seelen Hort.
Anno 1751 goß mich Johann Christoph Hose.
Von den Glocken aus dem Reformationsjahrhundert, welche der Gießhütte unsers Hilger entstammen, seien besonders zwei große Glocken der Thomaskirche in Leipzig genannt. Wie oft mag ihr voller Klang das Ohr des großen Thomaskantors Johann Sebastian Bach berührt und ihre tönende Seele seinen Geist über die Niederungen des Lebens zu seinen ewigen, gewaltigen Harmonien emporgetragen haben. Die Schlagglocke, 1,55 m breit, wurde 1539 auf Kosten des Rats von »Martin Hillger, Kannen- und Glockengießer von Freyberg«, an Stelle einer zerbrochenen alten für 123 Schock 17 Gr. 3 Pf. gegossen. Zur Beschaffung der Glockenspeise kaufte man eine alte Glocke von »eynem pfaffen«. Sie trägt außer der Jahreszahl den Spruch aus dem 127. Psalm:
»Nisi dominus custodierit civitatem frustra vigilat qui custodet eam.«
»Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, wachen ihre Wächter umsonst«. Der gleiche Spruch findet sich auf der Stundenglocke des Freiberger Domes von 1540, die Martin Hillger nahezu gleichzeitig mit er Leipziger Thomasglocke gegossen hat.
Die andere Thomasglocke von 1,72 m Durchmesser hat 1574 Wolff Hilliger gegossen und mit seinem Wappen geschmückt. Die Rüstung für die Glocke machte Hieronymus Freiberger und 21 Männer mußten die Glocke zu ihrem luftigen Stuhle emporziehen, damit sie ihre Stimme erheben konnte, wie ihre Inschrift sagt: