Diese ernste Mahnung, die unsrer Zeit so besonders not tut, tönt auch vom neuen Torbogen am alten Donatsturm ins Straßenleben hinein mit den Worten:
»Gemeinwohl geht über dein Wohl!«
und mit dem anderen Spruche:
»Eintracht bricht Not, Zwietracht bringt Tod!«
Im Rathause selbst ist im Ratszimmer eine alte quadratische Tafel von 30 cm Seitenlänge mit vergoldetem Barockrahmen und Stadtwappen geziert erhalten, welche aus der alten Gerichtsstube stammt und in schöner Reliefschrift in lateinischen Großbuchstaben sich mahnend an die Ratsherrn, die ja zugleich Richter waren, wendet:
Quiquis senator officii causa curiam ingrederis, ante hoc ostium privatos affectus omnes abiicito: Iram, vim, odium, amicitiam, adulationem, reipublicae personam et curam subiicito. Nam ut aliis aequus aut iniquus fueris, itaquoque iudicium dei expectabis et sustinebis.
Der Chronist Andreas Möller nennt diese Tafel bereits in seinem Theatrum Freibergense von 1653 und übersetzt die auch im Rathaus zu Regensburg befindliche Inschrift:
»Ein jeder, der als ein Raths Herr Amptwegen auffs Rath Hauß gehet, lege für dieser Thür ab alte Privat Affecten, als da sind der Zorn, Gewalt, Haß, Freundschafft, Schmeuchlerey etc. und unterwerffe seine Person und Sorge dem Gemeinen besten. Denn wie er gegen andere der Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit sich befleissigen wird, also hat er auch das Gericht Gottes zu gewarten und außzustehen.«
Dieselbe Mahnung zur Gerechtigkeit finden wir auch auf einer anderen Tafel, welche über dem Eingang zum Ratszimmer hängt und mit goldener Schrift auf schwarzem Grunde die schönen Renaissanceformen ihrer Ursprungszeit 1582 zeigt:
Gleich und Recht theil mit menniglich